Champagne, Lorraine & Sarre 08/2010

14.08.2010
Borussia Neunkirchen – VfB Bad Breisig 3:1
Oberliga Südwest (V)
Ellenfeldstadion (Att: 200)

Die Pokalauslosung ist neben der Spielplan-Veröffentlichung das große Event der Sommerpause. Jedes Jahr hockt man in trauter Runde vorm TV und hofft auf ein Traumlos, so auch dieses Jahr. Diesmal zog uns eine Frauenfußballerin namens Kim Kuhlig den SV Elversberg aus dem Lostopf. Also eher wieder kein Traumlos, aber natürlich redete der Hildesheimer Planungsstab sich gleich alles schön, avisierte eine 9er-Tour und hoffte auf irgend welche geilen Partien in Belgien, Luxemburg oder Frankreich am Wochenende der 1. Pokalrunde. Da wir eh nie Europapokal spielen werden, muss man eben aus solchen Spielen die Saison-Highlights mit internationalem Touch basteln.

Als unsere Partie gegen den Saarlandpokalsieger auf Sonnabend 19:30 Uhr terminiert wurde, begannen wir intensiv die Spielpläne unserer Nachbarländer und des deutschen Südwestens zu prüfen. Für Freitagabend bot uns die französische Ligue 2 das Spiel C.S. Sedan gegen Grenoble Foot 38 an. Außerdem lockten Sonnabend um 15:30 Uhr wahlweise Neunkirchen (gegen Bad Breisig) oder Pirmasens (gegen Leverkusen). Einem tollen Wochenende mit 3 Spielen stand also eigentlich nichts mehr im Wege. Gut, ein 9er-Bus konnte nicht ganz reibungslos organisiert werden und als Fahrer wollte natürlich auch niemand fungieren, aber irgendwann nahm doch alles Formen an und die Tour stand bombenfest im Terminkalender.

Da unser Hauptfahrer Bundeswehr-Bega noch bis mittags vom Dienstherrn gebunden war, ging es leider erst gegen 12:00 Uhr in Hildesheim bzw. 13:00 Uhr in Hannover los. In der Landeshauptstadt musste dann auch noch ein Ghettoblaster erworben werden, da dass Vehikel (VW Transporter Diesel) nur über ein Radio verfügte. Nicht auszudenken, hätten wir Radio anstatt unseres extra gebastelten Mix mit Magic Mamaliga, Disko Partizani und weiteren südosteuropäischen Hits hören müssen. Nachdem im zweiten Anlauf (Kauf 1 erwies sich nicht als tauglich) endlich eine intakte Beschallungsanlage erworben werden konnte, ging die wilde Fahrt wirklich los und wir schafften es vom hannoverschen ZOB immerhin bis zur Christuskirche. Bega hatte mit unserer Karre so einige Probleme und würgte den 9er an jeder Kreuzung ab. Als das Auto anfing zu stinken, hatten wir zunächst alle Matteos komische hachte Mettwurst als Aroma-Urheber in Verdacht und er meinte auch, dass das seine Wurst sein müsste. Dann aber qualmte der Motor als hätte Bengalo-Jeff von der BN im Motorraum 1kg weißen Rauch gezündet.

Technische Probleme
Technische Probleme

Wir parkten am Straßenrand und riefen den Fahrzeugvermieter an. Der sicherte uns ein Ersatzfahrzeug zu, welches aber leider lange auf sich warten ließ. Die Zeit vertrieben wir uns mit Lungern in der Nordstadt und Beschallung der Straßen mit Balkan Brass Music, was den einen oder anderen irritierten Blick von Passanten zur Ursache hatte. Es war bereits 14:30 Uhr, als endlich der Ersatzwagen (wieder ein VW Transporter Diesel) angeliefert wurde und wir unsere Tour fortsetzen konnten.

Dass Bega erneut den Transporter absaufen ließ, hielten wir erst für einen schlechten Scherz. Sein Fluchen dabei und der wiederkehrende Gestank wenige Kreuzungen später, erforderten allerdings eine schnelle Reaktion. Der Typ war echt zu blöd einen Diesel zu fahren! Ein Fahrerwechsel an einer roten Ampel war die Rettung. Der schöne Harry, der den Transporter schon tadellos von HI nach H manövriert hatte, übernahm wieder das Steuer und wir bewegten uns geruchsneutral und qualmfrei durch den zähen hannoverschen Innenstadtverkehr zur A2. Jene Autobahn war natürlich dicht bis hinter Garbsen und wir planten diesen Stau gekonnt zu umfahren. Das Attribut gekonnt ließ sich leider nicht umsetzen, so dass wir durch Umwege weitere wertvolle Zeit verloren.

Endlich auf der Autobahn, wurde geheizt was das Zeug hielt und zwei Turbofolk-CD-Längen später waren wir bereits im Großraum Köln. Dort wurden wir jedoch durch den schleppenden Feierabend- und Wochenendverkehr, so wie diverse Baustellen, wieder entschleunigt. Realistisches Ziel war fortan nur noch Sedan zur 2.Hälfte zu erreichen. Aber auch absolut minimalistische Raucher- und Pinkelpausen halfen nichts mehr. Die Stadt, in der 140 Jahre zuvor Napoleon III. gegenüber Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke kapitulierte, wurde erst kurz nach Spielschluss erreicht. Prinzipiell also genau der Verzug, den wir uns in Hannover einhandelten.

Oldscholl-Navigation
Oldschool-Navigation

Von nun an gingen die Meinungen der Insassen über die weitere Abendgestaltung auseinander. Onkel Ecki wollte in Sedan trotzdem noch zum Stadion und eine Kirmes beehren, andere wiederum wollten weiter reisen in die vermeintliche Partystadt Reims. Wieder auftretende Probleme mit der Karre (ja, Bega saß wieder am Steuer), uns folgende Gendarmerie und die Hoffnung, dass in der Großstadt mehr geht als im beschaulichen Sedan, trieben uns zurück auf die Autobahn.

Nachts in Reims
Nachts in Reims

Reims wurde kurz vor Mitternacht erreicht und wir fragten uns bei jungen Einheimischen zur Partymeile Drouet d’Erlon durch. Diese Meile war recht großzügig und voller Bars. Aber außer dass die Bars im Schnitt größer waren als in Hildesheim, war das Ding jetzt auch nicht besser als die Friesenstraße in der Dom- und Rosenstadt. Nachteile dagegen: um Mitternacht leeren sich die Bars und Pubs bereits wieder, urige Nachtlokale gibt es nicht, Getränke sind doppelt so teuer wie zu Hause und alles ist voll mit Franzosen. Letzteres hatte auch zur Folge, dass Ecki und Co sich mit Engländern verbrüderten, während Joker, Gödi und ich mal das Stadion von Stade Reims bei Nacht begutachteten. Das Stadion war erst 2008 in der heutigen Form eröffnet worden und sollte der wieder aufstrebenden einstigen Fußballgroßmacht Stade de Reims als zeitgemäße Heimstatt dienen.

Da wir zur Geisterstunde komischerweise nicht ins Innere des Stadion gelangen konnten, vereinten wir uns schnell wieder mit dem Rest. Den auf Clubhopping gestylten Briten gelang es erst sich aus unseren Fängen zu befreien, als Onkel Ecki sich den ersten seiner vier Döner in dieser Nacht bestellte. Döner im Land des „Erbfeinds“ ist übrigens Dönerfleisch im Baguette mit Sauce, welches in einer braunen Brötchentüte, die noch mit Pommes aufgefüllt wird, serviert wird. Wir blieben vorerst am Drouet-Brunnen nahe der Dönerbude und versorgten uns bei den türkischen Betreibern mit Dosenbier. Irgendwann verschlug es uns zurück zum im Bahnhofsviertel geparkten Auto. Dort lungerten wir unweit eines großen Nord- und Zentralafrikaner-Mobs an einer Kreuzung, ausgestattet mit Bier-Nachschub aus einem franko-maghrebinischen Späti. Dann gönnte sich so nach und nach jeder eine Mütze Schlaf im zum Wohnmobil umfunktionierten Neuner.

Kathedrale von Reims
Kathedrale von Reims

Im Morgengrauen verließ ich die Sardinenbüchse als Erster, um noch ein bißchen Weltkulturerbe in Reims zu bewundern. Über die Champagner-Kellerei von Jules Mumm ging es zur Kathedrale von Reims. Danach zog es mich noch ein Stündchen durch die sehenswerte Innen- und Altstadt. Vorbei am Place Royale und dem Hotel de Ville, erreichte ich schließlich unseren Treffpunkt an der Ponte de Mars. Dort erspähte ich Onkel Ecki beim Photographieren dieses römischen Triumphbogens, den er mit unseren Bannern freudig geschmückt hatte.

Ponte de Mars
Ponte de Mars

Das nächste Ziel unserer kleinen Reise war nun Verdun in der Region Lorraine. Hier lief es für unsere Vorfahren kriegstechnisch zwar weniger erfolgreich als in Sedan, aber das hinderte uns nicht daran dort eine gute Zeit zu haben. Das Vehikel wurde gekonnt auf einem Discounter-Parkplatz platziert, um den Norma erst mal um seine Dosenbiervorräte zu erleichtern. Hirsesalat, leuchtend rote Salami, Weißbroterzeugnisse, Süßkrams und merkwürdige Würstchen bildeten schließlich unser Magenfundament für den Stadtrundgang. Auf jenem gab es wirklich viel zu sehen. Kriegsspuren an Häusern und Mauern, enge Gassen, steile Treppen, einen kleinen Hafen und eine Promenade an der Maas, alte Festungsanlagen, eine Kathedrale und zahlreiche Museen, Denkmäler und Monumente. Bei tollem Wetter kam hier heute jeder von uns auf seine Kosten. Vor Abfahrt wurde dann nochmal in den Norma geschaut, um weiteres Bier zu erwerben (lecker Feldbräu für 0,40€ im 33cl-Gebinde) und dann hieß es Abschied nehmen von dem Flecken Erde, den die Franzosen besiedeln.

Verdun
Verdun

Saarlands Second City Neunkirchen erreichten wir ein Stündchen vor Anpfiff souverän und hatten somit genug Zeit das Oldschool-Stadion Winkel für Winkel zu erkunden (wieder ein ehemaliges Bundesligastadion mehr in der Sammlung) und ein paar Bilder zu knipsen. Das ganze Stadion versprühte den Charme einer vergangenen Fußballepoche, deren Zeitzeuge leider niemand von uns werden durfte. Die mittlerweile fünftklassige Borussia besiegte den Liganeuling aus Bad Breisig (never heard of it before…) relativ souverän mit 3:1 (dominante erste Hälfte, danach Ergebnisverwaltung) und wurde von der kleinen Schar treuer Supporter dafür umjubelt (inklusive einem saarländischen Zwillingsbruder von Matteo).

Ellenfeldstadion
Ellenfeldstadion

14. 08.2010
SV Elversberg – HSV von 1896 5:4 n.E.
DFB-Pokal (1st Round)
Waldstadion an der Kaiserlinde (Att: 2.700)

Für uns ging’s nun weiter in Neunkirchens Nachbargemeinde Spießen-Elversberg, an deren Bahnhof wir lautstark mit dem Top-Hit Magic Mamaliga vorfuhren und uns dort mit dem 96-Mob vereinigten. Gemeinsam ging es einen Berg der Kategorie Mont Blanc hoch und man sah einigen der Jungs die Spuren der langen und strapaziösen Reise an (auch der Rest war schon viele Stunden unterwegs mit dem Wochenendticket der DB). Die hochsommerlichen Temperaturen taten natürlich ihr übriges und so verwunderte es nicht, dass Tagessieger Firemeier in einem anliegenden Grundstück Abkühlung im Swimming Pool suchte. Der Weg zog sich weiter wie Kaugummi und wir fluchten gewaltig, dass wir nicht mit dem 9er direkt zum Stadion gefahren sind.

Firemeier feiert private Pool-Party
Firemeier feiert private Pool-Party

Irgendwann war dann doch mal das Waldstadion an der Kaiserlinde in Sichtweite und der Gästebereich wurde bevölkert. Dort bot unser Anhang ein buntes Intro mit viel Pyrotechnik, aber die Leidenschaft übrtrug sich leider nicht auf die Spieler. 96 lieferte einen blutleeren Auftritt, bei dem kein Klassenunterschied zwischen 1.Bundesliga und Regionalliga auszumachen war. Die beschämende Leistung gipfelte in einer Niederlage nach Elfmeterschießen. Es schaut so aus, als würde es auch diese Saison wieder nur gegen den Abstieg gehen. Die Euphorie nach dem Klassenerhalt in Bochum vor wenigen Wochen, war so jedenfalls sofort wieder verflogen.

Hannioer 96 Fans in Elversberg
Hannover 96 Fans in Elversberg

Die durch Verkehrsbehinderungen ewig lange Rückfahrt wurde zum Glück mit etwas Schlaf überbrückt und Sonntag Morgen konnte ich mein pfandfreies Dosenbier aus dem Neuner ausladen und endlich richtig im eigenen Bett ausschlafen. Eine Tour mit Höhen und Tiefen, aber länger hängen bleiben werden sicher die Highlights des Wochenendes und über die peinlich Niederlage von 96 können wir bestimmt auch irgendwann lachen. Spätestens wenn wir uns 2012 über den DFB-Pokal für die Europa League qualifiziert haben.

Souvenirs
Souvenirs
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