Göteborg 06/2015

06.06.2015
BK Häcken – AIK 0:0
Allsvenskan (I)
Gamla Ullevi (Att: 3.396)

Wenn in Schweden Nationalfeiertag ist und man selbst auch frei hat, kann man ja mal wieder rüber reisen ins Fast-Nachbarland, dachte nicht nur ich mir, sondern auch diverse andere Hannoveraner. Also hat man wieder Wirtschaftsförderung bei einer Autovermietung betrieben und trat am Freitag Abend die Fahrt gen Nordeuropa an. Mit viel Alkohol (Eigenbedarf und Gastgeschenke) und noch viel mehr Bock war man ruckzuck in Puttgarden, wo eine nächtliche Fähre uns aus Deutschland evakuieren sollte. Bier, Cider und Zigaretten waren wieder mal die Verkaufsschlager des Shops und wie immer dachte man an Europapokal (Helsingborg und Kopenhagen) bei der Fährüberfahrt.

Proviant an Deck
Proviant an Deck

Auch in DK blieb die Fahrt äußerst kurzweilig, was neben dem Alkohol sicher auch an der exquisiten Musikauswahl lag. Ob Plastic Bertrand oder Bezou, die den 9er richtig zum Kochen brachten, oder einfach auch mal Techno querbeet von Scooter bis Thunderdome, der DJ war gnadenlos mit den Schlafwilligen. Auf der Fähre zwischen Helsingör und Helsingborg wurde sich schließlich wieder frisch gemacht und im morgendlichen Schweden gingen wir die letzten paar hundert km ganz gemütlich an, denn Zeit hatte wir noch massig.

Der alte Cider und das Meer
Der alte Cider und das Meer

Vormittags konnte man sich dann mit dem Fanbus aus Stockholm in den Randbezirken Göteborgs treffen. Nun wurden einige Spirituosen umgeladen und die Fahrt wurde gemeinsam zum Nya Gamla Ullevi fortgesetzt. Also dem neuen alten Ullevi(-Stadion). Offiziell heißt es immer noch Gamla Ullevi, aber da es ein Neubau ist, ist der Name Altes Ullevi sehr irritierend, zumal nebenan das neue Ullevi steht, welches nun älter als das Alte Ullevi ist und seines Zeichens das zweitgrößte Stadion Schwedens nach dem Nationalstadion in Solna (Stockholm). Aber nun erstmal genug mit der Konfusion in Sachen Göteborger Stadionnamen, es war schließlich auch erst vormittags und wir hatten noch anderes vor bis zum Betreten der Arena. Und was wir so vor hatten interessierte auch die Polizei, die da zu dritt lungerte. Aber die nahm nur zur Kenntnis, dass die rund 80 Gäste nun in der Stadt ordentlich zechen wollten und wünschte viel Spaß dabei.

Hata, Hata! Hata Göteborg!
Hata, Hata! Hata Göteborg!

Vom Stadion zur Innenstadt war es nur ein Katzensprung. Das Stadion liegt unweit vom Hauptbahnhof und dem Zentrum der Stadt. So mussten wir nur wenige Minuten zur Hauptkneipenstrasse des Ortes gehen, wo mir mein 9€-Craftbeer vorzüglich mundete. Bei der nächsten Runde fragte ich dann komischerweise erst nach der Getränkekarte bevor ich wieder unbedarft die Kreditkarte durchzog. Das gute alte Falcon schmeckt ja auch (für läppische 6€).

Luxusgut Bier
Luxusgut Bier

Mit sehr guten Gesprächen wurden erstmal zwei Stunden in der ersten Bar verbracht namens Restaurang Bryggeriet (Brauhaus), um dann noch weiter zu ziehen in Harry’s Bar, noch etwas zentraler gelegen. Von dort machte ich auch erstmal einen Stadtspaziergang zu den Sehenswürdigkeiten wie dem Dom und dem Theater, denn bis zum Anpfiff (16 Uhr) sollte es immer noch drei Stunden dauern. Göteborg gefiel dabei schon ganz gut, aber kein Vergleich zu den anderen schwedischen Städten die ich so kenne wie u.a. Stockholm, Lund oder Kalmar. Es fehlt mir einfach der von mit europaweit so geschätzte mittelalterliche Stadtkern. Göteborg wurde erst 1619 gegründet und hat dementsprechend einen historischen Stadtkern vorwiegend aus dem 18.Jahrhundert oder noch jünger. Der Dom zum Beispiel wurde 1815 geweiht. Viel Klassizismus, auch viel Wasser, alles im allem ganz nett, aber
für ein anschließendes Urteil ist ein Tag natürlich viel zu wenig und ich gebe der Stadt erstmal die Zwischennote 3 mit der Bescheinigung eines Potentials nach oben.

Domkyrkan
Domkyrkan

Zurück in Harry’s Bar gönnte ich mir und einem schwedischen Geburtstagskind noch einen Likör 43 mit Milch. Das waren dann erstmal die letzten rund 21€ mit denen die Kreditkarte belastet wurde, da wir aufbrachen. Mit Anti-Göteborg-Gesängen ging es zurück zum Stadion, aber nicht ohne den Spaziergang nochmal in einem Park zu unterbrechen, wo eine Horde flirtwilliger Damen erspäht wurde. Die Schwedinnen sind einfach die besten Frauen der Welt! An ihrem Offensivgeist mangelt es leider vielen deutschen Frauen und es war sehr ärgerlich keinen Pastor in diesem Park für Spontantrauungen gehabt zu haben.

Crazy Swedish Girls
Crazy Swedish Girls

Der Ball musste aber irgendwann auch rollen und so betrat ich kurz vor 16 Uhr den Gästeblock im Nya Gamla Ullevi (der temporären Heimat von BK Häcken) und schaute auf die spärlich gefüllten Ränge. Ein echter Heimfanblock war nicht auszumachen und dort wo man ihn vermutete (hinter dem Tor) war nur eine große schwarz-gelbe BK Häcken Blockfahne gespannt. Häcken gehört zweifelsohne zu den circa 50% unattraktiven Gegnern der Allsvenskan. Da AIK aber zu den anderen 50% gehört, waren wenigstens 3.400 Plätze besetzt und „nur“ 15.000 blieben frei. Und ehrlich gesagt sah es nach noch weniger Zuschauern aus. Rund die Hälfte der Zuschauer dürfte im Gästeblock gewesen sein und die Anzahl der Stockholmer sah mir höchstens nach 1.000 aus. Na ja, schon in wenige. Wochen spielt Häcken wieder im eigenen frisch renovierten Stadion, was mit 7.000 Plätzen angemessener dimensioniert ist.

Gamla Ullevi
Gamla Ullevi

Die Gäste aus der Hauptstadt hatten ein paar hundert schwarze und gelbe Folienfahnen dabei für das Intro, sowie diverse schwedische Fahnen aufgrund des Nationalfeiertags. Nichts besonderes, aber besser als nichts. Für auswärts gegen einen Gammelgegner mehr als ausreichend.
Häcken-Fans waren weder hörbar noch sichtbar. Die dürften nach IFK, GAIS und Örgryte IS auch höchstens der viertbeliebteste Verein in Göteborg sein. AIKs Anhang dagegen sang sich nach schleppendem Beginn in einen kleinen Rausch. Irgendwie auch das Beste was sie machen konnten, denn das Spiel berauschte kein Stück. AIK hatte viel Ballbesitz, aber keine zündenden Ideen. So gab es höchstens mal Alibi-Distanzschüsse oder Stürmer die knapp die Flanken verpassten, um dem Publikum mal ein kleines Raunen zu entlocken.

Bierstandszene
Bierstandszene

Mir waren 45 Minuten fremdsprachiger Dauersupport und eine im Schritt gerissene Shorts genug Leistungsnachweis, um mir mal wieder eine Halbzeit am Bierstand zu gönnen. Mir machte auch kein Stockholmer Hoffnung, dass die zweiten 45 Minuten irgendwie besser werden könnten. Endstand war dann auch 0:0 und der Klönschnack mit einigen Jungs und Mädels aus der AIK-Fanszene eindeutig die bessere Wahl (genau wie sich im Nachhinein eine unifarbene Boxershorts als richtige Wahl gegenüber der Star Wars Boxershorts mit den vielen kleinen Stormtroopers entpuppte). Neben der Eintrittskarte vor dem Spiel, wurden nun auch noch ein paar Biere spendiert und es gab Geschenke in Form von Schals und T-Shirts für den einen oder anderen von uns. Abgegolten wurde das dann wieder durch eine Spende eines Hannoveraners in die AIK-Choreokasse. Er dachte 1.500 SEK wären so ca. 15€ und wird sich bestimmt freuen, wenn die nächste AIK-Choreo ihm gewidmet wird. Damit war dann auch ein Running Gag für die Rückfahrt gesichert. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

Tag der schwedischen Flagge
Tag der schwedischen Flagge

Nach dem Spiel wurde sich ohne Hektik verabschiedet und es gab erfreulicherweise noch genug Cider im Neuner, um die vor 20 Stunden begonnene Party fortzusetzen. Sie endete zur Frühstückszeit am Sonntag daheim und nach kurzem Schlaf hieß es für mich schon wieder Tasche packen. Diesmal aber nur die Fußballtasche, um am letzten Spieltag des Kreises Hildesheim noch ein bisschen zu kicken. Optimaler Kurztrip, dessen Strapazen ich mit Anfang 20 zwar besser weggesteckt hätte, aber der jeden Aufwand wert war. Die ganzen Anekdoten und Schoten des Trips kann man entweder gar nicht wiedergeben oder darf man besser gar nicht wiedergeben.

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