Auerbach / Vogtland 08/2015

27.08.2015
VfB Auerbach – BFC Dynamo 4:1
Regionalliga Nordost (IV)
VfB-Stadion (Att: 810)

Erfreulicherweise war ich nicht der einzige fußballbegeisterte Hannoveraner, der ein paar freie Tage in der letzten Augustwoche hatte, so dass ich mit drei weiteren Herren (Alex, Bene und Bobob) einen koreanischen Diesel nach Auerbach im Vogtland besteigen konnte. Dort gab sich der Rekordmeister der Deutschen Demokratischen Republik die Ehre, um den lokalen VfB im Punktspiel der Regionalliga Nordost zu treffen. Wir starteten bereits vormittags, um noch ein bisschen Zeit erzgebirgigen Teil des Vogtlands zu verbringen. Und man muss schon sagen, Auerbach (knapp 20.000 Einwohner) ist malerisch gelegen und verfügt über eine hübsche Innenstadt mit barocken Häusern und Kirchen und einem Schloss auf einem Hügel. Das Wetter spielte auch mit und so war das bis zum Anpfiff schon mal ein schöner Ausflug.

Am Schlossturm
Am Schlossturm

Etwa eine Stunde vor Spielbeginn (18:00 Uhr) brachen wir zum etwas exponiert gelegenen Stadion auf, welches ein reines Fußballstadion mit drei Tribünen ist. Haupt- und Hintertortribüne sind gelb bestuhlt und überdacht und an sie grenzen jeweils noch ein paar unüberdachte Stehtraversen. Die Gegengerade beherbergt den Gästebereich auf ganzer Länge. Allerdings sind das nur ein paar unüberdachte eingezäunte Stufen.
Wir entschieden uns für die Haupttribüne, auf der man für 10€ bequem mit Sitzkissen Fussball schauen konnte. Auf Höhe der Mittellinie hatten wir beste Sicht und die Kuttenfans der Auerbacher leicht versetzt im Rücken. Das war nicht schlecht, denn im Gegensatz zu den mickrigen 30 BFC-Fans im Gästebereich (ca. 50 insgesamt, allein im VIP-Raum hielt sich noch ein Dutzend auf), machten die ab und zu mal den Mund auf. Das VIP-Raum-Essen hatte übrigens wie von kleinen Clubs gewohnt Partyservice-Niveau und alkoholische Getränke kosteten auch für die Prominenz Geld. Das Catering für Normalsterbliche war aber auch nicht schlecht. So genannter Wiegebraten im Brötchen für 2€ (im Westen würden wir es Leberkäse nennen), sehr gute Steaks in Senfmarinade für 2,50€ und wie auch im benachbarten Aue einen Nudeltopf mit Ketchup, Jagdwurst und Käse für 3€. Bad Brambacher Cola gab es für 2,50€ den Halben (muss ein lokaler Mineralbrunnen sein) und Wernesgrüner im gleichen Gebinde kostete 2,90€. Im Vogtland sind die Preise für Speis und Trank noch akzeptabel.

VfB-Stadion
VfB-Stadion

Als wir gut gestärkt waren und die Teams Aufstellung nahmen, wurde „Ecstasy of Gold“ gespielt und mittels dem neuen „Hyundai Irgendwas“ der Spielball zum Mittelkreis gefahren. Große Spiele kommen halt nicht ohne große Inszenierungen aus. Dabei möchte ich gleich erwähnen, dass der Rasen in Auerbach ein wunderbarer Teppich war, den ich am liebsten selbst bespielt hätte. Dazu nun 25 Grad Außentemperatur, niedrige Luftfeuchtigkeit und ein bisschen Wind. Also beste Bedingungen.

Der Hausherr VfB, im Gegensatz zum BFC ohne große Erfolge im DDR-Fußball (lediglich auf Bezirksebene aktiv als BSG Einheit Auerbach), hatte just in Berlin bei Hertha BSC II den ersten Dreier der noch jungen Saison eingefahren und wollte gegen die anderen Berliner heute den ersten Heimsieg folgen lassen. Der BFC, der um den Aufstieg bzw. die Meisterschaft mitspielen will, war dagegen jetzt schon unter Zugzwang, denn 6 Punkte aus 4 Spielen waren bisher zu wenig um mit dem FSV Zwickau auf Tuchfühlung zu bleiben, der in allen 5 Spielen bis dato ohne Gegentor und Punktverlust blieb (und sechs weitere Teams standen auch besser als der BFC da). Im engen Flaschenhals der Regionalliga kann ein Saisonziel manchmal schon nach wenigen Wochen mehr oder weniger abgehakt werden, wenn die Punkte ausbleiben.
Dennoch blieb bei den Ostberlinern der vermeintlich beste Offensivspieler (Rockenbach da Silva, ehemals u.a. RB Leipzig) zunächst auf der Bank und das Offensivspiel hakte beim BFC gewaltig. Stürmer Djibril N’Diaye wurde neutralisiert und die eigentlich gute Spielanlage im Berliner Mittelfeld brachte nichts ein, da keine Torgefahr entstand. Auerbach überzeugte kämpferisch auf ganzer Linie und kam in der 22.Minute zum verdienten 1:0 durch ein Kopfballtor des verletzungsbedingt früh eingewechselten Stürmers Schuch (nach Freistoßflanke Schlosser).

Umkämpfte Partie im Vogtland
Umkämpfte Partie im Vogtland

Dieser Spielstand wurde ungefährdet in die Pause überführt, wo die Live-Auslosung der nächsten Runde des Vogtländer Kreispokals (Achtelfinale) die Massen elektrisierte. So bekommt es u.a. der VfB Auerbach II mit Kottengrün II zu tun und dem Stadionsprecher nach zu urteilen ist das Duell VfB Mühltroff gegen SG Syrau kaum an Brisanz zu überbieten. Auch ich bitte hier nochmal alle Vogtländer Sportfreunde sich am Wochenende des 03.10 und 04.10. nichts anderes vorzunehmen.

Durchgang Nr. 2 erlebte dann eine durch da Silva belebtere BFC-Offensive, aber eine noch gefährlichere Kontermannschaft aus Auerbach. Die Hausherren hatten das 2:0 ein paar Mal auf den Fuß, ehe ein ausbleibender Pfiff im BFC-Strafraum in der 57.Minute das Publikum endgültig mitriss. Im Pöbeln waren die sowieso schon das ganze Spiel über gut, aber jetzt überschlugen sie sich zunächst im Hass auf den Unparteiischen (dem ich sogleich eine völlig unrealistische Stasi-Vergangenheit andichtete), gefolgt von wütenden Auerbach!Auerbach!-Rufen. In der 62.Minute durfte zwar zunächst der BFC erstmals auf’s Tor schießen, aber in der 66.Minute erhöhte der VfB auf 2:0 durch Wild, wieder nach Vorarbeit von Schlosser. Und Schlosser selbst zog bei der nächsten Balleroberung im Mittelfeld aus 50 Meter einfach mal ab und düpierte den weit vorm Tor stehenden BFC-Keeper. Ein Tor des Monats Kandidat in der 70.Minute.

810 zahlende Zuschauer wurden verkündet
810 zahlende Zuschauer wurden verkündet

Fortan wurde der BFC endlich torgefährlicher und Muhovic traf nach Vorarbeit vom talentierten Weidlich in 78.Minute zum Anschluss. In den nächsten Minuten kamen die Ostberliner zu einigen guten Chancen und bei einem 3:2 wären es sehr spannende letzte Minuten geworden. Aber mit Kampf und etwas Glück blieb Auerbachs Kasten bis zur 90.Minute wieder sauber, ehe Herold den 4:1-Schlusspunkt setzte.

Gerade in der zweiten Halbzeit ein sehr sehenswertes Spiel. Dazu Wetter, Stadt und Stadion attraktiv. Also nichts zu bereuen. Die BFC-Fans hatten nun 320km lange Kilometer nach Hause vor sich (nachdem sie ihre 20 Zaunfahnen mit u.a. Frakturaufschriften wie „Euer Hass macht uns nur stärker. Kameradschaft weinrotes Ost-Berlin“ abgehängt hatten), während unsere 380km kurzweilig mit vielen guten Fussball- und Reisegeschichten überbrückt wurden. Zur Geisterstunde war man dann wieder in den Heimatgefilden und analysierte noch kurz die Europa League Ergebnisse, ehe die Müdigkeit obsiegte.

Marktplatz in Auerbach
Marktplatz in Auerbach
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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. picxl sagt:

    War erst in diesem Jahr mal wieder in Auerbach und hatte Zeit, das Städtchen ein wenig zu erkunden. Echt schön dort; aber ins Stadion hatte ich es dieses mal leider nicht geschafft.
    Fotos von Auerbach gibt’s bei Pinterest: https://de.pinterest.com/picxl/auerbach-im-vogtland/

    Gefällt mir

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