Śląsk (Schlesien) 12/2016

Für die alljährliche Weihnachtstour wurde 2016 das östliche Nachbarland Polen als Ziel ausgewählt. Dort sollte am Wochenende vor Weihnachten u.a. in Breslau letztmals vor der Winterpause der Ball rollen. Europas diesjährige Kulturhauptstadt war definitiv ein attraktives Ziel und das 3*-Ibis im Stadtzentrum kostete nur 17€ pro Person. Außerdem sollte bereits am Freitag auf dem Weg nach Polen kurz vor der Grenze in Bautzen ein Regionalligaspiel mitgenommen werden (FSV Budissa gegen VfB Auerbach).

Der Koffer ist gepackt
Der Koffer ist gepackt

Leider liegen Teile des üblichen Weihnachtstour-Mobs entweder in der heißen Phase ihres Studiums oder sind schon einen Schritt weiter und müssen aktuell auf der nächsten Stufe der Karriereleiter auch am Wochenende für das BIP liefern. Übrig blieb ein Quintett aus Karriereversagern, namentlich Fat Lo, Ole, Olbert, Milano Pete und meine Wenigkeit. Daher reichte auch ein 5-Sitzer (ein Skoda Oktavia) für den Ritt nach Polen und nach einem üppigen Frühstück im Hildesheimer Pfannkuchenhaus startete Freitagmittag unser kleines Grüppchen in Richtung Oder-Neiße-Linie.

Das Mobil rollt
Das Mobil rollt, die Mucke läuft

16.12.2016
FSV Budissa Bautzen – VfB Auerbach 1:1
Regionalliga Nordost (IV)
Stadion an der Müllerwiese (Att: 258)

Mit ein paar Dosen Kaiser und besinnlichen Liedern war das Zwischenziel Bautzen in der Oberlausitz schnell erreicht. Die 2016 nicht nur mit positiven Schlagzeilen aufwartende „Hauptstadt der sorbischen Minderheit“ machte auch nach Einbruch der Dunkelheit eine gute Figur. Scheint ein nett an der Spree gelegenes Städtchen zu sein mit viel alter Bausubstanz (inklusive gut erhaltener Stadtbefestigung) und die zweisprachige Beschilderung (deutsch / sorbisch) sorgte für Exotik. Bei einem längeren Aufenthalt könnte man sicher vor Ort mehr über die sorbische Minderheit erfahren (z.B. im Sorbischen Museum) oder über die DDR-Justiz (Gefängnisse Bautzen I und II). Auch der Weihnachtsmarkt soll einer der schöneren Sorte sein. Aber die Sektion Spielsucht wird in der Dunkelheit ja immer wie Motten von der Leuchtreklame der Spielotheken angezogen. Also ging es schon nach kurzer Exkursion in so eine Spielhölle. Und obendrein besserten die Zocker entgegen meiner Erwartung dort wirklich ihre Urlaubskasse auf.

Die Neue Wasserkunst Bautzen
Die Neue Wasserkunst Bautzen

Auch die FSV (Fussballspielvereinigung) Budissa (abgeleitet vom latinisierten Stadtnamen Budissin) Bautzen empfing uns freundlich mit kostenneutralem Zugang für die schreibende Zunft in das Stadion an der Müllerwiese. Die Sportstätte soll circa 5.000 Zuschauer fassen, wovon die meisten auf den Stufen der unüberdachten Gegengerade stehen könnten, während rund 500 überdachte Sitzplätze auf der Haupttribüne die bequemeren Zuschauer erwarten (u.a. uns und FC Energie Cottbus Legende Vragel da Silva). Zwischen 2000 und 2002 wurde die ganze Anlage zuletzt saniert und auch 1,5 Jahrzehnte später macht das Stadion noch einen sehr gepflegten Eindruck. Nur einen VIP-Bereich suchten wir vergeblich und der Pressebereich war nur eine normale Kabine. Das gab Abzüge in der B-Note, aber gut, hier waren halt alle 258 Zuschauer gleich. Und da es kostenlosen Glühwein gab, durfte sich jeder very important fühlen.

Haupttribüne Müllerwiese
Haupttribüne Müllerwiese

Ein paar Stimmungsmacher gab es übrigens auch. Sie sangen z.B. „Auf geht’s Budisten schießt ein Tor“ und sahen optisch teilweise bunter als braun aus. Ihren Optimismus dämpfte der Auerbacher Stanley Ratifo bereits in der 9.Spielminute durch ein schönes Volleytor. Ansonsten sah das Spiel so aus wie man sich ein Duell des 16. (Budissa) gegen den 14. (Auerbach) der Regionalliga Nordost vorstellt. Und die eisigen Temperaturen taten das Übrige um neutrale Zuschauer an die Grenzen der Belastbarkeit zu bringen. Kein Wunder, dass Olbert die Spielothek als potentiellen Zufluchtsort wieder in den buntesten Farben malte und in der 2.Halbzeit mit Fat Lo dahin verschwand. Diesmal gewannen sie übrigens nichts. Denn meistens gewinnt man nichts.

Gegengerade Müllerwiese
Gegengerade Müllerwiese

Für Ole (dessen kritischer Zeitpunkt wie immer die 53.Minute war), Milano und mich hieß es dagegen „Fußballtourismus muss auch mal wehtun“ und wir froren weiter fröhlich vor uns hin. Immerhin gab es in 84.Minute noch den Ausgleich für die FSV Budissa durch Josef Müller zu sehen. Gut so, denn das Spiel hatte keinen Sieger verdient und wir vereinigten uns in Windeseile mit den beiden Zockern, um die Reise nach Görlitz bzw. Zgorzelec in Niederschlesien fortzusetzen. Dort hatte ich uns in einem schönen Ostblockbunker einquartiert im polnischen Teil der geteilten Stadt. Kneipentechnisch war nur leider nichts zu holen in Zgorzelec, da mussten wir die Neiße nochmal zu Fuß überqueren und es uns auf dem Görlitzer Weihnachtsmarkt gut gehen lassen. Der war atmosphärisch wirklich einer der Guten, denn die Görlitzer Altstadt ist einfach eine geniale Kulisse. Und als die letzten Buden gegen 22 Uhr schlossen, suchten wir uns noch eine Pinte. Die Einheimischen nannten unisono nur zwei Alternativen, stets mit dem Nachsatz: „Sorry, aber das hier ist Görlitz. Hier geht auch am Wochenende nichts.“

Glühwein schlürfen in Görlitz
Glühwein schlürfen in Görlitz

Also erstmal in die „La Habana Bar“, wo der unfreundlichste Besitzer der Welt dafür sorgte, dass nach einem Halben Landskron und einem Pfeffi wieder Aufbruch angesagt war. Außerdem hatten die Preise wie im Westen und dann kann man auch gleich in einen Irish Pub gehen (Alternative Nr.2). Ein Irish Pub ohne Iren, der sich auch noch „King’s Pub“ nennt, war jetzt natürlich nicht die Krone der Pubkuktur, aber woher soll der Sachse auch wissen, dass Iren jetzt nicht so auf die Monarchie stehen. Und Baguette mit Salami und Käse verstehe ich jetzt auch nicht unter „Traditional Pub Food“. Dafür waren alle 50 Görlitzer zwischen 18 und 28 anwesend und besonders mit Gastrokennerin Laura („Sorry, aber hier hat kein Dönerladen nach 12 mehr auf“) kamen wir langfristig ins Gespräch. Auch die heutige Generation der Nachwendekinder kann man als Wessi immer noch mit Reisegeschichten aus dem NSW beeindrucken.

Kurzer Biergenuss in der Habana Bar
Kurzer Biergenuss in der Habana Bar

Nachdem Laura irgendwann wieder von ihren aufbruchsmotivierten Freunden eingesammelt wurde, stellten wir noch sicher, dass keine Sympathisanten von RBL anwesend waren und brachen nach der Last Order gegen 2 Uhr wieder auf. In Zgorzelec war nicht weniger der Hund begraben als 5 Stunden zuvor, aber es gab da ja diesen 24h-Carrefour, wo wir uns noch ’ne Palette Bier und einen Kasten Pralinen gekauft haben. Die Pralinen bekam die autoritäre Herbergsmutter, die beim Check-In bereits mit der Polizei drohte, sollten wir nach 22 Uhr laut sein. Und der billige Plan funktionierte tatsächlich.

Görlitz bei Nacht
Görlitz bei Nacht

Die finstere Miene beim Anblick unseres alkoholischen Proviants verschwand nach der Pralinen-Übergabe und sie gab uns noch mit auf den Weg „But not too loud!“. Da wir ein großes und ein kleines Zimmer hatten, verfrachteten wir den Samstagsfahrer Fat Lo ins kleine Zimmer und fanden zu viert noch soviel Geschmack am Zubr-Zauber, dass Olbert und ich tatsächlich nochmal Nachschub holten. Dazu gab es für den unweigerlichen nächtlichen Hunger noch Nachos und Dönerchips. Besonders letztere schmecken alkoholisiert wie das 8.Weltwunder, aber nächsten Morgen als Frühstücksersatz einfach nur noch eklig nach Instant-Fleischpulver.

Breslau von oben
Breslau von oben

Das nächste Ziel sollte nach dem Check Out der Polenmarkt in Zgorzelec sein, aber irgendwie gab es da kein richtiges Exemplar dieser langsam aussterbenden Basar-Gattung. Deshalb ging es doch früher als gedacht weiter nach Breslau, wo im Ibis noch kurz auf unsere Zimmer gewartet werden musste. Dabei merkte ich spätestens, dass ich keine 20 mehr bin und zwei Stunden Schlaf etwas zu wenig sind. Als wir unsere Zimmer bezogen, blieb ich beim obligatorischen Bett-Test einfach mal drei Stunden liegen, während die anderen schon nachmittags Breslaus Schönheit genossen und unter anderem einen Kirchturm erklommen.

Fleischlove
Fleischlove

Gegen 18 Uhr trafen wir uns dann auf dem Weihnachtsmarkt am Rynek wieder und schlemmten vorzügliche riesige Schaschlikspieße zu fairen Preisen von circa 3€. Nach Schlaf und Speis war auch ich für das Nachtleben Breslaus motiviert und wir streiften ein wenig durch die Seitenstraßen, um eine tourifreie Kneipe zu finden. Alle unsere Wünsche erfüllte der Paka Pub in der Straße Nozownicza. Ein Pint kostete 5 Zloty, also gerade mal 1,10€. Hier konnten wir in gediegener Atmosphäre ein paar Runden trinken, ehe wir uns so richtig ins Getümmel werfen würden.

Breslaus Weihnachtsmarkt ist auch sehr knorke
Breslaus Weihnachtsmarkt ist auch sehr knorke

Jenes Getümmel bot zunächst die große und beliebte Kneipe „XIII Igiel“ in der Straße Igielna. Da war soviel los, dass wir uns in der letzten Ecke des Kellergewölbes einen Nähmaschinentisch von der Dekoration zur Sitzgelegenheit umfunktionieren mussten. Die ganze Bude war sowieso voll mit Nippes, wie alten Fahrrädern an der Wand und willkürlich zusammengestellten Möbeln. Jeder Hipster würde hier vor Glück weinen. Ein paar Tyskie später steuerten wir schließlich noch die ebenfalls bei den Einheimischen sehr beliebte „Sekta Bar“ an. Nach einer Runde dort zahlten sich allerdings meine Schlafnummer vom Nachmittag und Oles Jugend aus.

Tierisch Zechen im XIII Igiel
Tierisch Zechen im XIII Igiel

Die anderen Drei fuhren nach würdiger Leistung in den letzten 24 Stunden verdient ins Hotel, während Ole und ich als nächstes den „Haggis Pub“ aufsuchten. Dazu latschten wir durch die Breslauer Polarlandschaft und fanden den Pub nur mit Mühe. Dort die Ernüchterung: „Sorry lads, we don’t serve beer anymore“. Auf unsere entsetzten Gesichter folgte zum Glück: „but you can still order shots.“ Also noch schnell einen Wodka hinter die Binde gekippt und dann stolperten wir quasi vom Haggis Pub direkt in den benachbarten Liverpool Club, wo heute Depeche Mode Party war. Hier lernten wir endlich die lokale Damenwelt näher kennen und hatten einen langen und gelungenen Abschluss dieser Partynacht.

Depeche Mode Party im Liverpool Club
Depeche Mode Party im Liverpool Club

Am nächsten Morgen wurde jede Sekunde bis zum Check Out für Schlaf ausgenutzt und danach brachte uns ein akzentfrei deutsch sprechender Taxifahrer (allerdings VfL Wolfsburg Fan) zum Polenmarkt am alten Bahnhof PKP. Der Chauffeur warnte uns noch explizit vor einer Volksgruppe auf dem Markt (und das waren natürlich nicht seine Landsleute) und dann warfen wir uns mit Wertsachen in den vorderen Hosentaschen ins Gewühl. Hier gab es wirklich alles, was man sich vorstellen kann. Omis verkauften eingelegtes Gemüse, Opis verkauften frisches Gemüse und auch Klamotten (natürlich nur Ramsch) gab es ohne Ende. Außerdem natürlich Fahrräder, Fernseher, Spielzeug, Handyzubehör, Badezimmerarmaturen, Autoteile, Polstergarnituren, Einbauküchen und rostige Panzergranaten. Je weiter wir vordrangen, desto abstruser wurde die Produktpalette. Hätte mich auch nicht gewundert, wenn dass neben Potosí in Bolivien der einzige Markt ist, wo man legal Dynamit kaufen kann.

Echte Liebe
Echte Liebe

Gegen den Hunger gönnte ich mir dort noch einen Zigeunerspieß. Ich hatte den geforderten Schein bereits rübergegeben und gerade Sauce auf die Pappe geballert, als ich realisierte, dass 20 Zloty eigentlich megadreist und mindestens 10 zuviel sind. Na ja, habe ich halt kurz vor Weihnachten noch etwas für eine ethnische Minderheit in Polen gespendet. Jeden Tag eine gute Tat! Danach ging es von dem bizarren Basar wieder zu Fuß in Richtung Innenstadt. Und die Pracht Breslaus verzauberte uns einmal mehr.

Am Rynek
Am Rynek

Wie schon in der Vornacht alkoholisiert, feierten wir auch nüchtern die ganzen ca. 30cm großen Zwergskulpturen im Stadtbild ab. Wo man auch hinging, überall waren diese Zwergenfiguren zu finden. Die Recherche ergab, dass sie wohl auch so einen bißchen an den Widerstand gegen das kommunistische Regime erinnern sollen. In den 80ern gab es Demos in Zwergenkostümen und guerillamäßig wurde dann auch der erste gusseiserne Zwerg in der Innenstadt aufgestellt. Mittlerweile sind es über 300 und ein echtes Touri-Highlight in Breslau. Es gibt sogar Leute, die behaupten, Olbert kann mit ihnen sprechen. Oder verwechsel ich das jetzt mit Teddybären?

Ein Breslauer Zwerg
Ein Breslauer Zwerg

Der vorerst letzte Stadtrundgang endete im „Klub PRL“ am Rathaus. Der Laden hat übrigens nahezu jeden Tag im Jahr 24 Stunden geöffnet. Tagsüber nur Barbetrieb und abends/nachts natürlich Diskothek. Der Lage und dieses Services entsprechend kosteten Cola, Bier usw. rund 10 Zloty (2,30€), aber Hannover hat’s ja und schon nach zwei Drinks mussten wir wieder los. Es ging nochmal mit einem Taxi zum Hotel, um den Skoda wieder in Empfang zu nehmen und damit den letzten Tagesordnungspunkt anzusteuern.

Unterwegs in Breslaus Straßen
Unterwegs in Breslaus Straßen

18.12.2016
WKS Slask Wroclaw – Arka Gdynia SSA 0:2
Ekstraklasa (I)
Stadion Miejski (Att: 7.312)

Um 15:30 Uhr sollte am heutigen Sonntag nochmal der Ball rollen. Slask Wroclaw empfing Arka Gdynia in der Ekstraklasa, Polens 1.Liga. Wir fuhren direkt ins Stadionparkhaus und gönnten uns die teuersten verfügbaren Tickets für 40 Zloty (umgerechnet 9,60€). Im für die EM 2012 errichteten Stadion war logischerweise nicht soviel los als wenn der Hannoversche SV von 1896 zu Gast ist, aber es gab erfreulicherweise (nicht unbedingt landestypisch) Gästefans. Der Wasserwerfer vorm Gästeblock ließ es bereits vermuten, Arka war zahlreich vertreten und surprise, surprise, Slask und Arka hassen sich so richtig. Die Breslauer pflegen nämlich traditionell eine innige Freundschaft zu den Fans von Lechia Gdansk (heute auch mit großem Banner vertreten), die wiederum Arkas größter Rivale sind. War dadurch gar nicht mehr so schlimm, dass nur die Fanblöcke gut gefüllt waren. So hallten die Hassgesänge schon vor Anpfiff umso besser im zu 17% ausgelasteten Stadion Miejski (zu dt.: Städtisches Stadion). Und dass ihre neuen Stadien nach der EM überdimensioniert sein würden (hier passen 42.711 Menshen rein), dürfte den Polen auch klar gewesen sein.

Heimkurve im Stadion Miejski
Heimkurve im Stadion Miejski

Das Spiel begann auf dem Grün zunächst so munter wie auf den Rängen und in der 6.Minute prüfte Slask den Gästetorwart erstmals aus 25 Metern. Arkas Stürmer Siemaszko antwortete nach 13 Minuten auf der anderen Seite, aber sein Schuss aus 15 Metern wurde in letzter Sekunde geblockt. Danach stahlen die Hooligans den Akteuren auf dem Rasen eindrucksvoll die Show. Vielleicht sangen die Gäste aus Gdynia sowas wie „Jeder Schlesier ist ein Hurensohn“? Auf jeden Fall marschierte ein Mob auf unserer Tribüne Richtung Gästeblock und wollte dort die direkte Konfrontation suchen.

So called soccer riot
So called soccer riot

Die Polizei marschierte zahlreich auf und schuf unter der Anwendung von unmittelbarem Zwang durch Einsatzmehrzweckstöcke und Reizgas eine Pufferzone. Ein Mutiger war trotzdem aus dem Gästeblock geklettert und bekam nun richtig Dresche von der Staatsmacht. Er bleib ohne Nachhut, aber seine Mitstreiter warfen jetzt alles mögliche auf die Polizei und die Slask-Hools (u.a. eine Mülltonne). Man guckte nun natürlich etwas weniger auf den Rasen, aber Siemaskos Lattentreffer in der 17.Minute entging mir dank des Roars zuvor nicht. Danach war sowohl die Geschichte auf den Rängen weitgehend beruhigt und auch auf dem Spielfeld kehrte bis zur Pause Langeweile ein.

Sonntags immer die schwarze Tonne
Sonntags immer die schwarze Tonne

Nach Wiederanpfiff änderte sich das zum Glück und Arka begann sehr schwungvoll. Das Team aus der Stadt, die kaschubisch Gdinio heißt, ging in der 57.Minute völlig verdient durch den eifrigen Stürmer Siemaszko per Kopfballtor nach Freistoß in Führung. Und bereits drei Minuten später legte Arka zum 0:2 nach. Es war ein weiterer Standard (diesmal eine Ecke) bei dem die Slask-Abwehr gepennt hat, so dass Marcjanik frei und traumhaft am Torwart vorbei in den Torwinkel schlenzen konnte. Arka war übrigens erst im Sommer (wieder mal) aufgestiegen und hält sich bisher sehr wacker in der Ekstraklasa. Sie stehen als zur Zeit Neunter mit 23 Punkten aus 19 Spielen besser da als die Breslauer, die nur Elfter mit einem Punkt weniger sind.

Wenig Andrang heute (und auch sonst)

Nach dem Doppelschlag der Nordlichter waren wir nicht überrascht, dass die Heimfans nun mächtig angepisst waren. Und auch diverses Beutegut in grün, weiß und rot an der Brüstung des Gästeblocks tat sein übriges. Ein Rankommen an den Gästeblock gab es aber nicht mehr, es blieb beim verbalen Austausch von Nettigkeiten auf den Rängen und unten auf dem Rasen passierte auch nichts Nennenswertes mehr bis zum Abpfiff. Loben muss man natürlich beide Fangruppen nochmal für ihren Support heute. Immer laut und mit guten Mitmachquoten schallte es aus den Kurven zu uns rüber. Sportlich war es leider kein Highlight. Viele hohe Bälle, viele Fehlpässe und kaum Torraumszenen konnten an einem kalten 4.Advent das Fußballerherz nicht erwärmen. Slask, immerhin 2012 noch polnischer Meister, darf jetzt in der unteren Tabellenhälfte auf Platz 12 überwintern und Arka konnte sich durch den Auswärtssieg auf Platz 8 verbessern.

Stadion von außen
Stadion von außen

Nach Schlusspfiff hielt uns nur noch ein Einkauf in Polen (palettenweise pfandfreies polnisches Dosenbier), bei dem die letzten Noten in Fremdwährung unter das Volk gebracht wurden. Dann ging es wieder zurück auf die Straße, wie Marius Müller Westernhagen so passend dazu sang und der Fahrer animierte uns vehement dazu Alkohol auf der Rückfahrt zu trinken. Sein Kalkül war, dass sonst alle einschlafen und er einsam hunderte Kilometer über nächtliche Autobahnen fahren muss. Stattdessen war nun nicht mehr an Einschlafen zu denken und ich war Montagmorgen mehr als dankbar frei zu haben. Breslau ist auf jeden Fall ’ne tolle Stadt. Die Altstadt war wunderschön und man konnte dort für einen schmalen Taler Essen, Trinken und Feiern. Kann man sowohl für eine Partyfahrt à la Saisonabschluss oder Weihnachtstour, als auch für eine richtige Kulturreise (nochmal) in Angriff nehmen.

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