Køge und Kopenhagen 04/2017

17.04.2017
Brøndby IF – FC København 0:1
Superligaen (I)
Brøndby Stadion (Att: 23.405)

Ostern 2017 sollte es nicht nur in Deutschland heiße Fußballderbys geben. Auch in Nordeuropa lockten große Kracher die Zuschauer von nah und fern. Stockholms bestes Derby AIK versus Hammarby IF, welches dieses Osterfest die neueste Auflage bekam, hatte ich ja bereits 2015 geprüft, aber das ebenfalls am diesjährigen Ostermontag datierte vermeintliche Kopenhagener Derby war noch Neuland für mich. Max und Ole wollten zusammen mit zwei mir bisher unbekannten Fussballreisenden (Jan und Nico) dorthin und ich überlegte nicht einmal 0,96 Sekunden, ob ich Platz Nr.5 im Max-Mobil einnehmen sollte.

Derbysieger, Derbysieger! Hey, hey!

Nachdem der Ostersonntag von mir ausschließlich zum physischen Verarbeiten des 96-Derbysieges genutzt wurde (während Max sich tatsächlich zwischenzeitlich zum so genannten Nordderby nach Bremen aufmachte und damit ein Derby-Triple an Ostern schaffte), war ich Montagmorgen wieder bereit das Bett zu verlassen und fand mich pünktlich um 5:00 Uhr am Treffpunkt an der A7 ein. Mit Frühnebel und Morgenrot cruisten wir ganz gemütlich nordwärts nach Puttgarden. Die Fährüberfahrt ist und bleibt in meinen Augen der beste Weg nach Seeland (und Schweden) und hat die unschätzbaren Vorteile von frischer Seeluft an Deck und pfandfreiem Dosenbier im Bordshop.

In diesem Fachwerkhaus ist Køges Stadtmuseum

Im Königreich Dänemark bauten wir auf dem Weg nach Kopenhagen zunächst einen Stop in Køge ein. Ist wirklich ein nettes kleines Städtchen, direkt an der Autobahn Richtung Hauptstadt gelegen. Wir weilten dort ein wenig und wussten schnell, dass Ostermontag auch in Dänemark ein Feiertag ist. Die Geschäfte in der Stadt hatten nämlich alle geschlossen und auf den Straßen war kaum ein Mensch unterwegs. Nicht das Schlechteste für ein bißchen Sightseeing in Køges historischen Gassen. Die Altstadt geizte dabei nicht mit sehenswerten Gebäuden. Viel Fachwerk, bunte Farben und Backstein waren definitiv etwas für’s Auge.

Dänemarks ältestes Fachwerkhaus

Den größten Ruhm sahnen hier Dänemarks ältestes Fachwerkhaus von 1527, sowie die Hauptkirche Sankt Nicolai ab. Diese wiederum stammt bereits aus dem 13.Jahrhundert und ist ein sehr schöner Vertreter der Backsteingotik. Der Kirchturm des Gotteshauses ist übrigens zugleich Dänemarks ältester Leuchtturm. Ja, Køge liegt direkt am Meer, was ein weiteres Pfund ist, mit dem die Stadt bei Touristen wuchern kann. Die Steilküste dort (Stevns Klint) zählt sogar zum UNESCO Weltnaturerbe. Aber wir nahmen uns heute nur Zeit für die architektonischen Perlen der Gemeinde (den Rest dann mal bei sommerlicherem Wetter).

St. Nicolai a.k.a. Dänemarks ältester Leuchtturm

Im Herzen Køges kommt man als Architekturliebhaber natürlich auch nicht am Marktplatz vorbei (dem Køge Torv). Es ist Dänemarks größter Platz dieser Art außerhalb Kopenhagens und einer der am besten erhaltenen historischen Marktplätze des Landes. Etwas unscheinbar lag an einer Ecke des Platzes das gelb angepinselte Rathaus der Stadt. Hier wusste Ole zu berichten, dass es Dänemarks ältestes durchgehend genutztes Rathaus ist (seit 1552). So langsam würde es mich nicht wundern, wenn Køge im dänischen Sprachgebrauch ein geflügeltes Wort für betagt, alt o.ä. ist.

Traumhaftes Fachwerkstädtchen

Besser spät als nie, musste dann in der Kleinstadt noch ein Frühstück her. Dazu fanden wir einen Bäcker in einem der alten Gemäuer („Madam Eclair“), dessen Interieur auch das Attribut „Vintage“ verdiente. Umgerecht 1,60€ für ein Blätterteighörnchen mit Sesam und Würstchen waren hier zu investieren, bzw. 4€ für drei Stück davon. Ergo holten wir uns gleich sechs „Pølsehorns“ und dazu noch ein paar fleischfreie Blätterteigspezialitäten, die uns in den Auslagen fast so nett wie die jungen blonden Verkäuferinnen dahinter anlächelten. Nach ausreichender Kalorienzufuhr fuhren wir anschließend weiter Richtung Hauptstadt.

Sankt Nicolai in der malerischen Kirkestræde

17.04.2017
B. 1908 Amager – Rishøj Boldklub 2:1
Denmarkseries (IV)
Sundby Idrætspark (Att: 213)

Im bereits oft bereisten Kopenhagen waren noch rund vier Stunden bis zum sportlichen Highlight des Tages zu überbrücken. Der Vorort Brøndby, wo das Derby steigen sollte, hat meiner Meinung nach abseits vom Fußball nicht viel zu bieten. Daher überlegten wir in Kopenhagen etwas Touristisches zu unternehmen oder ein weiteres Fußballspiel zu besuchen. Im Kopenhagener Ortsteil Sundby auf der Insel Amager sollte heute B. 1908 Amager den Rishøj Boldklub empfangen, der passenderweise im gerade hinter uns gelassenen Køge beheimatet ist. War zwar nur 4.Liga, aber der Spielort Sundby Idrætspark war ein schönes Stadion mit über 7.000 Plätzen. Daher stach Fußball die Alternativen Innenstadt und Christiania spontan aus.

Die Amagerbrogade

Natürlich stellten wir dem Spiel noch einen kleinen Zug durch die Gemeinde voran. Abgesehen von den nördlichen Tourigegenden Christianhavn und der Freistadt Christiania, kannte ich den Teil von Kopenhagen auf Seelands Nachbarinsel Amager noch nicht.  Das Barrio rund die Hauptstraße Amagerbrogade (die Sundby in Sundbyvester und Sundbyøster teilt) war also noch Terra Incognita. Es ist ein Viertel mit großen Mietshäusern aus der Zeit der Industrialisierung (klassischer Arbeiterbezirk à la Linden) und scheint recht multikulturell bewohnt zu sein. Doch auch viel junges studentisch wirkendes Volk war unterwegs und zwischen den zahlreichen Dönerimbissen deuteten einige hippe Bars und Cafés mit den Schlagwörtern „Vegan“ und  „Glutenfree“ an der Fassade auf eine bereits angelaufene Gentrifizierung hin. Je näher man Christianshavn am Ende der Amagerbrogade kam und je größer der charakteristische Korkenzieherturm der „Vor Frelsers Kirke“ wurde, desto nobler wirkten Handel und Gastronomie.

Vor Frelsers Kirke

Anstatt uns zu weit Richtung Zentrum vorzuwagen, kehrten wir nun lieber in einen Pub ein. Im „The Old Irish Pub“ in der Amagerbrogade wurden gerade noch die Scherben von letzter Nacht aufgekehrt, als wir uns für umgerechnet je 2,70€ ein paar Pints Tuborg zapfen ließen. War wohl Happy Hour um 12 Uhr mittags, denn das war extrem günstig für CPH. Dem Laden wurde sogleich Potential für das nächste Europapokalauswärtsspiel in Kopenhagen attestiert (kann ja nicht mehr lange hin sein…). Groß, billig, nicht besonders gepflegt und viele schlechte Bewertungen im Internet, sprich alle wichtigen Parameter für den hannoverschen Fußballmob schlugen in die richtige Richtung aus. Doch genug von zukünftigen rauschenden Europapokalfesten, nun rief erstmal die hiesige 4.Liga und um 13 Uhr war Anstoß im 10 Minuten entfernten Stadion.

Welcome to Sundby Idrætspark

50 Kronen (rund 6,75€) hatten wir jeder zu entrichten und just mit dem Anpfiff passierten wir das Drehkreuz. Vor uns hatten das bereits rund 200 weitere Zuschauer getan, die nun einem Spiel auf dem Niveau der Landes- bis Oberliga beiwohnen durften. Dabei feuerte Amagers ältester Fußballclub (gegründet 1908, wie ihr sicher ahnen konntet) in der 5.Minute den ersten Torschuss ab. Neben dem besseren Start ins Spiel fiel bei B. 1908 auf, dass alle unterschiedliche Trikotsponsoren geflockt hatten, während der Gegner aus Rishøj bzw. Køge mit blanker Brust auflief. Die Gäste hatten dafür immerhin einen Mittelfeldspieler mit der Rückennummer 96 in ihren Reihen (sicher großer Fan des aktuellen niedersächsischen Derbysiegers), der in der 16.Minute die erste Ecke für sein Team herausholte. Diese Momentaufnahme darf gerne als Indiz dafür herhalten, dass Rishøj nun langsam ins Spiel fand. Die Gästeführung durch Glodie Kabango in der 26.Minute war daher auch prinzipiell keine Ungerechtigkeit. Dass dem Tor allerdings ein dem Gegner fälschlich zugesprochener Einwurf vorausging, sorgte schon für Unmut bei B. 1908. Und dass ihr vermeintliches 1:1 in der 33.Minute wegen Abseitsstellung nicht gegeben wurde, interpretierten die Hausherren und ihre Fans ebenso als krasse Fehlentscheidung. Sie mussten daher trotz aller Proteste mit dem Rückstand in die Halbzeitpause gehen, jene wir für eine genauere Stadioninspektion nutzten.

Pølser-Power

Das Stadion, welches sich B. 1908 mit dem minmal jüngeren (est. 1910) und klassenhöheren (2.Liga) Erzrivalen Fremad Amager teilt, ist wirklich sehr nett. 2.500 Menschen können auf der großen überdachten Haupttribüne in Schalensitzen Platz nehmen. Gegenüber dürfen sich wahrscheinlich ebenso viele Menschen auf der unüberdachten hölzernen Stehtribüne sonnen (sollte das Wetter mitspielen) und weitere Fans können weitläufig hinter den Toren des Mehrzweckstadions stehen. 1922 wurde die Arena eröffnet und die Statuen von Athleten im Rund waren in etwa ebenso alt. Am Catering führte zur Mittagszeit natürlich auch kein Weg vorbei. Angegrillte Frankfurter mit einem Stück Hot Dog Brötchen, sowie Röstzwiebeln und Sauce, kosteten umgerechnet 4,70€ pro Portion und ein Bier schlug mit 4€ zu Buche. Ambitionierte Preise, aber Hannover hat’s ja. Im Gegensatz zum deutschen Fußballprekariat (so genannte Groundhopper), deren Budget nur für kostenlose Röstzwiebeln reichte. Diese Herren (heute u.a. RB Leipzig Fans!) trugen dann alle noch brav das Spiel in die Hopper-App ein und verließen das Stadion schon nach 45 Minuten. Hatten sich wohl erhofft mehr schnorren zu können, aber die dänische 4.Liga ist nicht unbedingt das Sozialamt der Fußballwelt.

Fußball-Statue im Stadion

Für den zweiten Durchgang  schien sich B. 1908 einiges vorgenommen zu haben und gewann in der kampfbetonten, aber weitgehend fair geführten Partie nach und nach die Oberhand. Beim 1:1 in der 59.Minute half nun auch das Glück dem Tüchtigen. Benjamin Fey zog aus fast 30 Metern und sehr nah an der Außenlinie ab, womit er den Gästekeeper eiskalt überraschte. Sollte wohl ’ne Flanke werden, aber wenn es wirklich so gewollt war; genial! Und beim 2:1 in der 71.Minute war der Hausherr nochmals mit Fortuna im Bunde. Nach einem Eckstoß köpfte Patrick Fleischer am Torwart vorbei auf den Verteidiger, der auf der Torlinie absicherte. Aber der verschätzt sich bei seiner Abwehrbewegung und die Kugel geht ihm durch die Beine. Und in der 77.Minute wurde dann Rishøj-Mittelfeldspieler Mikkel Madsen auf dem Weg zum gegnerischen Strafraum umgeholzt, doch während der foulende Verteidiger nur den gelben Karton bekam, flog der Gefoulte mit Rot vom Platz. Da muss höchstwahrscheinlich ein böses Wort gegen den Schiedsrichter gefallen sein oder es gab eine kleine Revanche-Tätlichkeit, die ich nicht sah. Jedenfalls war das Spiel in Unterzahl nicht mehr zu drehen. Es blieb bei einem in der Höhe verdienten 2:1 Heimsieg, welcher B. 1908 den Mittelfeldlatz 6 festigen lässt, während Rishøj auf Platz 8 bleibt, der wie Platz 9 in der 10er-Liga nach dem 27.Spieltag in die Abstiegsrelegation führen würde.

Der Hausherr machte Druck in Hälfte Zwo

17.04.2017
Brøndby IF – FC København 0:1
Superligaen (I)
Brøndby Stadion (Att: 23.405)

Für uns ging es nach Abpfiff umgehend ins 15 Autominuten entfernte Brøndby, wo anscheinend der PKW das beliebteste Anreisemittel der meisten Stadionbesucher war. Die Parkplatzsituation in Stadionnähe war jedenfalls recht angespannt und wir parkten schließlich etwas wagemutig nahe an einer Einfahrt in einem Wohngebiet mit netten kleinen reetgedeckten Häusern. Nach 10 Minuten Fußmarsch war das Stadion erreicht und dort gab es mit riesigen Schlangen an den Eingängen den nächsten Stressfaktor. Jetzt musste doch mal wieder der häßliche Deutsche herausgekramt werden und wir reihten uns 96 Meter vor dem Ende der Schlange unweit der Drehkreuze ein. So waren wir rund 15 Minuten vor Anpfiff drin. Vielleicht hätte es im gut organisierten Dänemark auch ohne moralischen Fehltritt noch gerade so gepasst, aber hätten wir heute das Intro verpasst, hätten wir uns alle in den Arsch gebissen. Soviel sei schon mal vorweggenommen.

Unser Parkplatz-Barrio in Brøndby

Bereits 10 Minuten vor dem Spiel brandete erstmals lauter Jubel im gesamten Stadion auf (natürlich abgesehen vom Gästeblock). Was war geschehen? Dank meiner immer noch guten Dänisch-Kenntnisse konnte ich die anderen vier Deutschen in meiner Reihe aufklären, dass unser Landsmann Hany Mukhtar heute einen Vertrag bis 2021 bei Brøndby IF unterschrieben hat. Der deutsche U21-Nationalspieler ist bereits von Benfica ausgeliehen und überzeugte in Kopenhagens südlicher Peripherie Fans wie Funktionäre gleichermaßen. Als Spielmacher erzielte er diese Saison bisher sechs Tore in 20 Spielen und bereitete ebenso viele Treffer vor. Dass wir auf den Mann besonders achten werden, war spätestens jetzt klar. Außerdem aufällig in der von Coach Alexander Zorniger ausgewählten Startelf: der finnische Nationalspieler und Ex-Schalker Teemu Pukki (Spieler, die schon mal gegen 96 getroffen haben, vergesse ich eigentlich nie).

Welcome to Brøndby Stadion

Der FCK, 96-Fans natürlich bestens als Europapokalgegner in der jüngeren Vergangenheit bekannt, hat auf dem Papier den wesentlich teureren Kader. Große internationale Stars, bei denen ich sofort aufmerkte, fand ich in allerdings nicht in ihrer Aufstellung. Lediglich Andreas Cornelius weckte unweigerlich Erinnerungen an sein Gastspiel bei Cardiff City 2013. Der damalige Aufsteiger in die Premier League investierte rund 9 Millionen Euro in den seinerzeit 20jährigen dänischen Stürmer des FC Kopenhagen. Cornelius war aber nicht das Supertalent, was irgendwer in Cardiff in ihm gesehen haben muss und nach sechs Monaten und rund 96 Einsatzminuten in der Premier League ging es für einen Bruchteil der Transfersumme zurück zum FCK. Hier durfte er letzten Sommer die insgesamt elfte Dänische Meisterschaft des FC København als Stammspieler feiern und steuerte immerhin 5 Treffer zum Titel bei.

Intro der FCK-Fans

Der FCK-Anhang huldigte seinen 1992 gegründeten Club zu Spielbeginn sogar als Rekordmeister, obwohl das eigentlich immer noch ihr Vorgängerverein Kjøbenhavns Boldklub (KB) mit 15 Meisterschaften ist. Gut, reklamieren sie vielleicht das Erbe des ersten richtigen Fußballvereins außerhalb von Großbritannien (est. 1876), aber es war weder von 15 noch 26 (15 KB + 11 FCK),  sondern von 18 Meistertiteln auf den Blockfahnen die Rede (welche von Bengalos untermalt wurden). Auf 18 kommt man wiederum, wenn man den FCK-Titeln die 7 Meisterschaften des anderen Vorgängerclubs B1903 hinzurechnet. Da man dessen Startplatz und Kader in der 1.Liga übernahm (während der andere Fusionsverein KB anno 1992 nur zweitklassig war, aber die größte Fanbasis Kopenhagens in die Ehe brachte), ist das eigentlich nur konsequent. Die Fusion gab es damals übrigens, weil Vorortklub Brøndby den dänischen Fußball weitgehend beherrschte, aber nicht ins neue Nationalstadion Parken nach Kopenhagen umziehen wollte. Und B1903 war zwar recht erfolgreich (u.a. wurde 1991 der FC Bayern 6:2 im UEFA-Cup abgefidelt), aber die Zuschauerzahlen in Gentofte (nördlicher Vorort von Kopenhagen) waren immer überschaubar geblieben. Mit sportlicher B1903-Basis, KB-Fanbasis, Dänemarks modernstem Stadion und einsetzendem Fußballboom dank Daänemarks Überraschungscoup bei der EM 1992, sollte der FCK schließlich durchstarten und die Brøndby-Dominanz durchbrechen.

Brøndby IF – est. 1964

Brøndby IF gibt es seit 1964 (Fusionsverein der kleinen Dorfvereine Brøndbyøster IF und Brøndbyvester IF), was auch in der heutigen Choreographie der Heimseite nicht zu überlesen war. 1981 stieg man nach Jahren der konsequenten Weiterentwicklung erstmals in die 1.Liga auf und 1985 feierte man den ersten von bisher 10 Meistertiteln. Unweigerlich verbunden mit dem Aufschwung Mitte der 80er Jahren sind die Laudrup-Brüder Brian und Michael, die beide BIF als Sprungbrett für große internationale Karrieren nutzen konnten. Fortan dominierte der Club den dänischen Fußball bis 1992. Ab dann lieferte man sich über ein Jahrzehnt einen packenden Zweikampf mit dem FCK um die Vorherrschaft im Großraum Kopenhagen und ganz Dänemark. „The New Firm“ war geboren, das größte Derby Dänemarks. Erst ab Mitte der 2000er Jahre zog der FCK sportlich davon, aber die Rivalität blieb und diese Saison ist BIF (2.) endlich wieder der aussichtsreichste Herausforderer des FC København (1.).

Mit Rauch gefüllte Buchstaben signalisieren wer hier zuhause ist

Die bereits erwähnte Choreographie der Heimfans war echt der Hammer (sieht man von den Augenkrebs verursachenden Farben mal ab). Auf der Gegengerade ergaben Papptafeln und Blockfahnen das Gründungsjahr 1964 und auf der Hintertortribüne wurden über den blau-gelben Papptafeln riesige dreidimensionale Buchstaben hochgezogen. Die transparenten Lettern, die einen Brøndby-Schriftzug bildeten, wurden nun mit gelbem Rauch gefüllt. Auf den tribünenlangen Banner stand (frei von mir übersetzt): „Vom unbekannten Amateurteam zur nationalen Berühmtheit. Heute kennt uns jeder, wenn wir unseren Clubnamen rufen.“ Dann wurde natürlich der Qualm wieder aus den Buchstaben gelassen und eine gelbe Rauchwand stieg empor. Die nun gezündeten Bengalischen Fackeln kamen dabei kaum zur Geltung. Beeindruckend, was diese Feinde des Fußballs da auf die Beine gestellt hatten!

IMG_1984
Die Choreo in Gänze

Erfreulicherweise stand auch der akustische Support beider Kurven ihrer Bildgewalt in nichts nach. Bei einem ergo stimmungsvollen Derby konnte der FCK gleich in der 2.Minute die erste Großchance verbuchen, aber BIF-Schlussmann Frederik Rønnow war beim Kopfball von FCK-Ikone Mathias „Zanka“ Jørgensen auf dem Posten. In der 11.Minute zappelte der Ball dann erstmals im Netz, genauer gesagt im FCK-Tor. Nur zählen tat der Treffer nicht, aufgrund einer klaren Abseitsposition des Schützen. Danach hatte die FCK die intensive Partie wieder besser im Griff und scheiterte bei zwei, drei Chancen immer wieder an Rønnow. Auf den Rängen gab es derweil im BIF-Fanblock ein bisschen gezocktes FCK-Material zu sehen (natürlich zusammen mit einem Anti-FCK-Gesang und ein paar Fackeln). Den permanenten Austausch von Nettigkeiten der Fanblöcke drohte BIF-Star Hany Mukhtar in der 36.Minute zu stören. Doch sein Hammer aus 25 Metern krachte ans Lattenkreuz. Es war das letzte Ausrufezeichen in einer ausgeglichenen ersten Hälfte.

Die Gelbe Wand

In der Unterbrechung genoss ich zunächst die Beinfreiheit auf der Haupttribüne, bei der man während den Massenbewegungen der Halbzeitpause nicht mal aufstehen muss. Das gefiel natürlich einem alten Mann wie mir. Und dass mir meine Begleiter unaufgefordert Freibier aus dem VIP-Bereich mitbrachten, gefiel mir noch besser. Ich hatte schon Angst doch noch aufstehen zu müssen. Zum Erfrischungsgetränk gab es von der Stadionregie vernünftige Musik von u.a. Depeche Mode, David Bowie und den Stone Roses serviert. Kein Vergleich zu dem ganzen Mist, den man in Deutschlands Bundesligen immer ertragen muss.

FCK-Intro zur 2.Halbzeit

Die zweiten 45 Minuten läutete der Gästebereich mit zahlreichen bengalischen Fackeln in Ober- und Unterrang ein, während der BIF-Anhang auf der „Sydsiden“ via Spruchband die Gleichung „Gentofte + Frederiksberg = FCK. Man muss Marketing studiert haben, um das zu verstehen.“ aufstellte. Spielte darauf an, dass die Fans des FCK der Meinung sind, sie sind der Club Kopenhagens und Brøndby ist nur ein Vorort-Verein. Dabei sind Gentofte (Heimat von Vorgängerclub B1903) und Frederiksberg (Heimat von Vorgängerclub KB) auch nur Vororte wie Brøndby und nicht Teil Kopenhagens. Gut, Frederiksberg, wo auch der FCK offiziell zuhause ist, ist komplett von Kopenhagener Stadtgebiet umschlossen (hat sich historisch so ergeben) und damit zentraler als mancher „richtiger“ Stadtteil der Hauptstadt. Aber administrativ ist es nicht Kopenhagen, da haben die Blau-Gelben natürlich recht.

Auch auf der Sydsiden brannte es weiterhin

Aufgrund der geographischen Gemengelage schrieb ich zu Beginn des Reiseberichts auch vom vermeintlichen Kopenhagener Derby. Aber als „Schlacht um Kopenhagen“ wird das Derby neben „The New Firm“ allgemein anerkannt bezeichnet. Und ’ne Schlacht blieb es auch in der 2.Hälfte. Auf den Rängen gab es weiterhin Pyro-Wettzünden und auf dem Rasen wurde um jeden Meter gefightet. Solche Spiele sind natürlich nicht reich an Großchancen, aber aus Brøndbys Reihen kamen zu Beginn der 2.Halbzeit Austin und Wilczek zu guten Abschlüssen und auf der Gegenseite prüften Cornelius und Verbic den BIF-Torwart abermals. Und während nun im FCK-Fanblock bei eigentlich jedem Gesang eine Fackel gewedelt wurde, setzte der BIF-Anhang auf biologische statt chemische Kampfstoffe. Bei einer Ecke vor der Heimkurve wurden Ludwig Augustinsson und Benjamin Verbic von den Fans mit toten Ratten beworfen!

Augustinsson kickt ’ne Ratte weg

Die passende Antwort gab nun Verbic in der 65.Minute persönlich. Peter Ankersen konnte auf rechts zur Grundlinie vorstoßen und flankte von hier auf den zweiten Pfosten. Cornelius schraubte sich dort hoch und sein Kopfball wurde am ersten Pfosten von Mitspieler Verbic ins Netz gedrückt. 0:1! Dass es im Gästeblock nun wieder lichterloh brannte, brauche ich wohl nicht extra erwähnen. Brøndby blieb zwar weiterhin bissig, aber der Tabellenführer und designierte Meister ließ nichts mehr anbrennen. Letzte gute Chance war ein Mukhtar-Freistoß aus 20 Metern in der 84.Minute, doch Robin Olsen im FCK-Kasten parierte. Schade, denn Mukhtar, der auch zum „Man of Match“ gekürt wurde, hätte sich das Tor verdient. Echt ein sehr starker Spielmacher, der die meisten der BIF-Chancen mit tollen Pässen einleitete und dazu selbst große Torgefahr ausstrahlte. Gut möglich, dass dieses Talent in Dänemark nochmal nachreift und in wenigen Jahren zurück in eine internationale Topliga wechselt.

Souvenirs

Nach 90 Minuten hatte also nur eine lautstarke Minderheit im Stadion was zu feiern und bei Brøndby dürften auch die größten Optmisten einsehen, dass der Meisterzug abgefahren ist. 13 Punkte werden in den kommenden 7 Spielen wohl kaum aufzuholen zu sein. Bei dagegen 7 Punkten Abstand und einem weiteren direkten Duell, hätten sie vielleicht noch eine kleine Chance gehabt, aber so wird es nur zur Vizemeisterschaft (und EL-Quali) reichen. Denn auf den Drittplatzierten FC Midtjylland hat man trotz heutiger Niederlage noch stolze 16 Punkte Vorsprung. Mit diesen Rechenspielen verabschiedete sich unser Quintett zum Auto und anschließend zur Autobahn. Auf der Fähre wurden 30€ Cashback von Scandlines natürlich im Bordshop gelassen und kurz vor Mitternacht waren wir alle wieder daheim. Mit tollen Fußballimpressionen und ganz viel Dosenbier im Gepäck. Ostern 2017, du warst ein tolles Fußballfest! Außer für alles Blau-Gelbe…

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