Belgrad 05/2017

27.05.2017
FK Partizan – FK Crvena zvezda 1:0
Serbian Cup (Final)
Stadion Partizana (Att: 24.000)

Für das letzte Mai-Wochenende hatte der Serbische Fußballverband das Pokalfinale im Stadion Karadorde in Novi Sad angesetzt. Als der Abt mich fragte, ob ich Bock auf einen Trip zu diesem Spiel habe, musste ich nicht lange überlegen. Da rund um das Wochenende auch die Relegationsspiele zur 1.Bundesliga terminiert waren und die Teilnahme von 96 daran nicht sonderlich unrealistisch erschien, war das Zeitfenster für die Reise nach Novi Sad natürlich trotz Christi Himmelfahrt und etwaigem Brückentag arg begrenzt. Beste Option war Freitag für 80€ pro Person von Hannover nach Budapest zu fliegen (300km von Novi Sad entfernt) und Sonntag von Ungarns Hauptstadt wieder zurück, da Flüge nach Belgrad (nur 90km bis Novi Sad) entweder viel teurer waren oder minimum einen wertvollen Urlaubstag erfordert hätten. Stattdessen konnte ich dank nachmittäglichen Abflug sogar den Freitag arbeiten, wo sich eh immer alle um diesen ominösen Brückentag kloppen und die Übriggebliebenen einen ganz entspannten Arbeitstag haben.

Hier wurde über unseren Urlaub entschieden

Viertelfinale und Halbfinale des serbischen Pokalwettbewerbs wurden nach der Buchung natürlich aufmerksam verfolgt. Es zeichnete sich ab, dass Vojvodina Novi Sad entweder ein „Finale dahoam“ bekommt (wahrscheinlich gegen einen Belgrader Topclub) oder „The Eternal Derby“ mal auf neutralem Platz stattfindet. Der Rote Stern aus Belgrad wurde dann im Halbfinale gegen Cukaricki gelost und löste die Aufgabe souverän, während Vojvodina und Partizan den Finalgegner ermittelten. Knapp konnte sich dabei der andere Belgrader Verein durchsetzen. Geil, Belgrader Derby in Novi Sad! Aber denkste. Als wäre es völlig utopisch gewesen, dass die beiden besten Mannschaften des Landes das Pokalfinale erreichen, hatten nun alle Organe Sicherheitsbedenken und Novi Sad wurde die Ehre des Endspielaustragungsortes entzogen. Das Spiel wurde nach Münzwurf um’s Heimrecht ins Stadion Partizana nach Belgrad verlegt. Zum Glück war unser Hotel in Novi Sad kostenlos stornierbar und die paar Kilometer mehr machten den Kohl auch nicht fett.

Realpreisig fliegen ab HAJ

Nach Feierabend ging es am Freitag stante pede zum Flughafen Hannover-Langenhagen, wo ich mich mit den Mitreisenden El Abto, El Glatto, Max und InterCityBerger traf. Auf dem Weg hatte mich Zuckerbergs Datenkrake übrigens auf die 7jährige Facebook-Freundschaft von mir mit dem Abt hingewiesen (und im RL sind es ja auch schon fast 18,96 Jahre). Das musste gefeiert werden! Leider nur von meiner Seite gebührend, da der Klostervorsteher noch das Auto von Budapest nach Belgrad steuern musste. Die Karre, einen Opel Astra Kombi, nahmen wir dank einer Verspätung von Ungarns beliebtester Airline erst um 18:30 Uhr bei Enterprise entgegen. Mit Bier von Borsodi und Beschallung von Blondie steuerten wir nun die ungarisch-serbische Grenze an.

Feierabendbier in Ungarn

Bis jene gut gesicherte EU-Außengrenze wirklich passiert war, vergingen 50 Minuten. Unvergessen bleibt wie uns kurz vor dem Grenzbaum ein Auto mit Kennzeichen eines Fantasiestaates auf serbischem Boden schnitt. Diese Gauner wurden dann natürlich von den serbischen Grenzern zur genauen Inspektion herausgewunken, während wir nach dem Stempeln unserer Pässe mit drei gespreizten Fingern fröhlich grüßend an ihnen vorbeifahren durften. Auf serbischem Boden folgte auf Borsodi das großartige Jelen Pivo und Fahrer Abt antworte auf meine Frage nach dem Zustand der serbischen Schnellstraße: „Serbische Autobahn gut!!!“ Dementsprechend waren wir zwei Stunden später in der Hauptstadt und fanden nach ein paar Ehrenrunden auch irgendwann unser Hotel.

Lieber Rakija-Stand als Sandstrand

Es war im zentralen und lebendigen Viertel Skadarlija zu finden (dem „Bohemian Quarter“ Belgrads) und natürlich kannte der Abt in der Nachbarschaft auch ein exzellentes Restaurant. Im „Tri Serisa“ wurden uns unbeschreiblich köstliche Fleischplatten serviert. Dazu der bisher beste Ajvar meines Lebens und Jelen Pivo vom Fass. Und wie schon auf dem Weg zum Restaurant, wo der Abt mit uns einen Straßenstand aufsuchte, gönnten wir unserem Körper Rakija Dunja. Ob vorhin als Aperitif oder nun zum Sortieren der Fleischberge im Magen, zu beiden Anlässen machte der Schnaps eine gute Figur!

Fleischplatte für 2

Für das Essen und diverse Drinks wurden wir jeder rund 2.000 Dinar los (ca. 16€) und landestypisch wurde zu später Stunde auf den Tischen getanzt. Leider waren wir schon gegen 2:30 Uhr bettreif. Arbeit und Anreise forderten ihren Tribut, so dass Party bis zum Morgengrauen nicht drin war. Am Kiosk wurde noch Wasser gekauft und dann bestanden die Hotelbetten zum Glück die an sie gestellten Bequemlichkeitsansprüche. Die „Downtown Apartments Bane“ (wir hatten allerdings ein 2er- und ein 3er-Zimmer und kein Appartement) können also weiterempfohlen werden.

Jelen Pivo und Rakija Dunja

Am nächsten Morgen strahlten die Rezeptionistin und die Sonne um die Wette. Ersteres sprach gegen einen zügigen Aufbruch, letzteres dafür. Da man das Personal ja auch irgendwann arbeiten lassen muss, starteten wir gegen 10 Uhr unser Tagesprogramm. En passant wurden ein paar Sehenswürdigkeiten im Stadtzentrum begutachtet und die Kartenproblematik wurde auch gelöst. Der bereits gestern angereiste Jojo (natürlich nicht der Nichtzecher von „Jojo und der Professor“) hatte schon mal drei Karten für unsere Reisegruppe besorgt. Dazu war der Abt beim serbischen Verband für das Spiel akkreditiert und die letzte fehlende Karte kauften wir am Stadion des FK Partizan.

Hotel Moskau im Herzen Belgrads

1.000 Dinar (ca. 8€) waren für einen Sitzplatz auf der Gegengerade (Westtribüne) zu investieren. Daher forderte ich auf die Frage nach meinem Wunschsektor auch „Zapad“. Verstand die mich als Ausländer identifizierende Verkäuferin nicht richtig und fragte nochmal ungläubig nach: „South?“ „Ne, Zapad molim lepo!“ (mein Serbokroatisch hat anscheinend echt nachgelassen). Gleiches Problem hatte am Vortag witzigerweise auch Jojo. Wahrscheinlich hatten wir die gleiche Dame erwischt oder „Zapad“ klingt für die Serbinnen aus unseren Mündern wie „Southern“? Man kann nur spekulieren.

Gourmanski Pljeskavica

Da das Stadion von Roter Stern gleich um die Ecke vom Stadion Partizana ist, wurde dort nach geglücktem Kartenkauf sogleich gefrühstückt. In der Lounge Bar begrüßten die Mitarbeiter den Abt mit „Welcome Back“, aber gut, er war auch erst letztes Wochenende hier (und davor auch schon so zwanzigmal). Da 11 Uhr durch war, gönnte sich lediglich der Stammgast mit einem Omelette etwas von der Frühstückskarte (ungefähr 2€). InterCityBerger und El Glatto machten sich über eine Fleischplatte her (so circa 8€) und ich bestellte mir Gurmanski Pljeskavica (Hacksteak mit Käse- und Schinkenfüllung) für umgerechnet 4€. Der Kinderkörper von Max war dagegen immer noch vom kleinen Mitternachtssnack überfüllt und Jojo ist ja ein Groundhopper (die sparen wo sie können). Bier (0,5l Lav für 1,50€) gönnten sich aber alle und auf der Tribüne des Stadions mundete dieses besonders gut. Hoffentlich meint der Spielplan es gut mit mir Ende August und ich darf hier zeitnah auch mal ein Spiel sehen (vorzugsweise natürlich das ewige Derby).

Marakana

Nach dem Essen ging es dann in die Fanshops im Stadion. Der von Delije (die Dachgruppe der Kurve) war dabei besser besucht als der offizielle Vereinsshop nebenan. Aber auch kein Wunder, hatten die Ultras doch eindeutig die schöneren Fanartikel. Neben einer Spende für serbisch-orthodoxe Klöster in der zur Zeit nicht von der serbischen Regierung kontrollierten Region Kosovo, ließen wir auch Geld für Shirts da. Denn Urlaubssouvenirs mit Fußballbezug sind mir immer die liebsten. Aufgrund des Derbys heute übrigens in neutralen Plastiktüten ausgegeben. Schade, schade, ’ne Tüte von Delije oder Roter Stern wäre was gewesen für meine internationale Plastiktütensammlung.

Belgrade Boys

Nachdem die Feinde des Fußballs sich genug an uns bereichert hatten, begutachteten wir die zahlreichen Graffitis im Stadionumfeld. Dabei ging wie von Geisterhand eine Tür zur Kurve auf. So standen wir nochmal im Heiligtum der Fans von Roter Stern Belgrad. War drinnen an allen dafür möglichen Flächen ebenso kunstvoll verziert wie draußen. Mit der Straßenbahn ging es im Anschluss an den Stadionrundgang zurück ins Zentrum, wo wir uns von Jojo verabschiedeten. Der wollte um 15:00 Uhr lieber 2.Liga-Fußball bei Sindelic Belgrad gucken, während wir Bock auf die Belgrader Festung und Pivo hatten.

Knez Michailova

Der Weg dorthin führte uns durch die Haupteinkaufsstraße Knez Michailova. Zwischen circa 1870 uns 1920 entstanden in prominenter Lage zahlreiche Prachtbauten, die nun kommerziell von Ketten, Boutiquen und Gastronomie genutzt werden. Hier fand selbstredend auch ein Schaulaufen der schönen serbischen Frauen statt. Mein Gesamteindruck: Belgrad ist das Stockholm des Südostens! Rund um die Festung bestätigte sich der Eindruck nochmal. Dort war die große Parkanlage Kalemegdan eine begrünte Laufstegerweiterung der Knez Michailova und Verkaufskioske boten neben Standardsouvenirs auch Militaria und Putin-Shirts an. Wer es noch nicht wusste; Russland und Putin stehen bei vielen Serben hoch im Kurs. Das ist historisch gewachsen und der Westen warb (euphemistisch ausgedrückt) bisher wenig um Serbien. Aber das vertiefe ich vielleicht ein andermal.

Festung Belgrad

Zahlreiche Waffen rund um die Festung erinnerten dann auch nochmal an diverse kriegerische Auseinandersetzung der Serben in der Neuzeit. Drinnen wurden wir nun vom „Beogradski Manifest“ überrascht, Belgrads größtem Familienfest. Da zu einer Familie natürlich auch die Eltern gehören, gab es neben Ponyreiten, Kindertheater usw. auch viele Tourismusstände, die uns interessante Regionen Serbiens näherbrachten (in der Regel von charmanten Botschafterinnen). Und für kulinarische Genüsse war natürlich auch gesorgt. Berger, Max und der Abt machten nun erstmal eine Weinprobe, während Glatto und ich fassfrisches Jelen Pivo im Biergarten mit Ausblick auf die Mündung der Save in die Donau genossen (so circa 1,50€ der Halbe).

Schöner Biergarten mit Aussicht

Wir dachten die anderen drei Jungs kommen demnächst nach zum Bierhimmel, aber falsch gedacht. Es gab einen Wein, der ihnen gut genug für einen Flaschenkauf schmeckte oder vielmehr eine Verkäuferin, die ihnen den Wein schmackhaft genug machte. Ahnten Glatto und ich natürlich nicht und chillten zwei Bierlängen alleine im Biergarten, bis ein kurzes Unwetter uns vertrieb. Das nahmen wir zum Anlass für einen vollendeten Rundgang durch die Festung, bei dem wir das Trio tatsächlich noch am selben Weinstand wie eine Stunde zuvor vorfanden. Wir wurden nun auch genötigt eine Flasche zu kaufen und wenn die Verkäuferin glaubt, dass wir normale Touristen sind, denen man leichtfertig sagen kann „Wenn ihr das nächste mal in Serbien seid, dann besucht mich doch mal in meinem Heimatort“, hat sie sich geschnitten. Wir sehen uns in Irig!

Belgrads Weinkönigin 2017

Dann war plötzlich schon 4 Uhr nachmittags durch und das Pokalfinale rief immer lauter. Mit zwei Taxis fuhren wir vom Festungspark Kalemegdan zum berüchtigten Verkehrskreisel am Bulevar Oslobodenja, von dem beide Stadien nur rund 250m entfernt sind. Kostete für 6km knapp 6€. Heute war der Kreisel mit den umliegenden Gastwirtschaften fest in Partisanenhand. Wir gönnten uns dort bei „Big Pizza“ ein Viertelstück mit Schmand und Speck und ’ne Cola zum Runterspülen (es herrschte im Stadionumfeld Alkoholverbot). Neben uns machten sich zwischenzeitlich ein paar ältere Semester der „Shadows“ breit und generell war hier viel Publikum, mit dem man in Fußballfragen ungern geteilter Meinung ist. Ist wenig überraschend ein imposanter Haufen, den die „Grobari“ und Co zum Derby mobilisieren.

Pizza mit Speck und Schmand

Eine halbe Stunde vor Anpfiff machten wir uns auf ins Stadion Partizana. Ist nicht ganz so geil wie das Stadion des Rivalen nebenan, aber auch diese Kampfbahn hat massiv Flair. Der Haupttribüne hatten sie zwar eine moderne Glasfassade verpasst, aber drinnen wirkten alle Sektoren relativ abgerockt. Vor ein paar Jahren gab es mal neue Sitzschalen in den Vereinsfarben und die Anzeigetafel ist auch postsozialistisch, doch im großen und ganzen versprühte die Bude, die rund 32.000 Fans fassen soll, den Charme einer vergangenen Fußballepoche. Bei heute offiziell 24.000 Zuschauern waren die Kurven proppenvoll und die Geraden gut gefüllt. Feste Sitzplätze waren selbstverständlich nur systembedingt auf die Tickets gedruckt und jeder setzte sich, wo es ihm beliebte bzw. wo noch was frei war.

Das Billet

Vorm Anpfiff verzichtete der serbische Fußballverband auf ein opulentes Rahmenprogramm und die Kurven sangen sich stattdessen warm. Der frischgebackene Meister Partizan feierte nochmal lautstark seinen Triumph vom letzten Wochenende und kurz vor Spielbeginn stürmten einige Unverbesserliche über die Haupttribüne zum Gästeblock. Einen kurzen Austausch von Nettigkeiten und Pyrotechnik unterband die Polizei schlagkräftig. Wie wild das Ganze wirklich war, konnte ich aus der Entfernung nicht sehen. Ich tippe mal es war die übliche Derbyfolklore und die serbischen Plasbergs und Maischbergers werden wohl keine Sondersendung machen.

Fähnchenchoreo bei Delije

Und apropos Folklore, eine Tanzchoreographie auf dem Rasen hat es bei diesem Pokalfinale auch nicht gebraucht. Die Kurven sorgten natürlich für einen optisch würdigen Rahmen. Auf der Heimseite bei den Grobari wurde mit einer Papptafel-Choreo zum Tango des Todes aufgefordert und die Delije in der Gästekurve hatten rote und weiße Fähnchen mit dem Vereinslogo dabei. Letztere ließen auf die Fähnchen noch Bengalos, sowie roten und weißen Rauch folgen.

Auf die Choreo folgte Rauch

Dann genoss ich mit Steoreo-Beschallung aus den Kurven zunächst einmal das Spiel. Crvena zvezda hätte mit dem Pokalsieg die Saison noch etwas retten können und Partizan würde bei einem Sieg das 6.Double in der Vereinsgeschichte schaffen (zuletzt 2011). Der Abt war der Meinung, dass 4.000 Dinar auf Roter Stern zu setzen ein todsicheres Ding wäre, da der Verband, um die Wogen zu glätten, bestimmt ein Double verhindern würde. Der Rest der Gruppe vertraute seiner Balkan-Expertise und setzte etwas kleinere Beiträge auf den Sieger des Europapokals der Landesmeister von 1991. Ich dagegen glaubte weiter an die Unschuld des serbischen Fußballs und ließ mich nicht vom Wettfieber anstecken.

Choreo der Grobari

Die Kicker vom Roten Stern waren auf jeden Fall zu Beginn bemüht das Spiel an sich zu reißen. Und wäre der Schiedsrichter in Wahrheit kein Unparteiischer, hätte er wohl in der 6.Minute auf den Punkt gezeigt, als Boakye im Strafraum der Partisanen zu Boden ging.  Danach brachte der frischgebackene Meister die Anfangsoffensive des Gastes gut unter Kontrolle und verbuchte in der 11.Minute die erste Großchance des Spiels. Der Brasilianer Leonardo hatte zwei Abwehrspieler an der Strafraumgrenze ausgetanzt, nur sein Torschuss aus der Drehung ging circa einen Meter über das Gehäuse. Darauf folgten von Leonardo ein Kopfball aus kurzer Distanz in die Arme des RS-Keepers (19.Min) und ein Torschuss (25.Min), den Kahriman auch entschärfen konnte. Der Brasilianer (24 Tore in der Liga) war zusammen mit dem Außenbahnspieler Marko Jankovic in der ersten halben Stunde so ziemlich an allen Angriffen der Schwarz-Weißen beteiligt.

Der Ball rollt im Stadion Partizana

In der Partizan-Kurve wurden die Angriffsbemühungen der Mannschaft derweil mit einem kleinen Feuerwerk gewürdigt, während auf dem Platz Srnic fast der „Lucky Punch“ für „Red Star“ gelang. Doch seinen Kopfball nach Flanke von Petkovic konnte FKP-Torwart Stevanovic halten (33.Minute). Danach war Partizan wieder voll da und nach einem Foul von Leonardo sahen sowohl der Treter Donald, als auch der gefoulte Brasilianer (mutmaßlich wegen Karte fordern oder Meckerei) die gelbe Karte. Für den folgenden Freistoß von Leonardo musste Kahriman ganz tief in die untere Torecke abtauchen und konnte den Schuss mit den Fingerspitzen noch zur Ecke klären (36.Min).

Partisanenangriff

Die Einschläge kamen also näher und in der 42.Minute konnte Milenkovic (just zu Fiorentina transferiert) eine Ecke von Jankovic in die Maschen köpfen. Die Mannschaft rannte sofort in die Kurve der Grobari und feierte die Führung mit ihren Fans, welche wiederum bunte Freudenfeuer entzündeten. Die Fackeln wurden dann größtenteils in der Polizeikette vorm Block entsorgt und Feuerwehrmänner sammelten die Brennstäbe zwischen den gepanzerten Cops auf, um sie in Sandeimern ausglühen zu lassen.

Dioe Fans feiern das 1:0

Die „Totengräber“ von Partizan feierten jetzt vorwiegend oberkörperfrei bis zum Halbzeitpfiff und auch die Pause hindurch ihre Führung. Sie sind Meister, sie werden Pokalsieger, die Fans von Roter Stern sind alles Zigeuner, um mal zusammenzufassen, was ich da so raushörte. Auf einen Auftritt von Helene Fischer hatte der Verband daher auch vorsorglich verzichtet. Nicht mal Goga Sekulic wurde gebucht. Für die Halbzeitshow sorgten pöbelnde Partizan-Fans und konternde Fans von „Crvena zvezda“ völlig ausreichend.

Intro Partizan zur 2.Hälfte

Zu Beginn der 2.Halbzeit rollten die Fans des einstigen Armeeesportklubs schließlich eine Blockfahne mit einem mir unbekannten kräftigen Typen aus, sowie ein Spruchband, auf dem frei übersetzt stand: „Gewinner finden einen Weg, Verlierer eine Entschuldigung“. Die Fans des einstigen Polizeisportklubs in der Gästekurve hatten dagegen richtig viele Fackeln gezündet und verwandelten ihren Sektor in ein rot und goldgelb leuchtendes Meer, ehe sich eine Wand von Rauch über die Kurve gelegt hatte. Die hässliche Fratze des Fußballs zeigte sich wieder einmal von ihrer schönsten Seite.

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Delije läutet die 2.Halbzeit ein

Dann wurde wieder gespielt und Partizans Jevtovic markierte den ersten Torchuss des zweiten Durchgangs aus 20 Metern knapp über die Latte (53.Min). Viele Fouls und einige Wechsel auf beiden Seiten zerstörten nun allerdings immer wieder den Spielfluss. Bis zur 80.Minute passierte erstmal recht wenig auf dem Platz. Dann läutete ein schöner Schuss von Boakye von der Strafraumgrenze Crvena zvezdas Schlussoffensive ein. Stevanovic musste sich ganz schön strecken, um den Ball noch zur Ecke zu klären, die Roter Stern nichts einbrachte. Und in der 84.Minute wurde es wieder gefährlich, als Luovic einen Freistoss aus 18 Metern knapp über das Tor von Partizan setzte.

Roter Stern macht nochmal Druck

In der 85.Minute brachte Roter Sterns mazedonischer Interimstrainer Gjurovski mit Nenad Milijas einen frischen Offensivspieler (Vorgänger Bozovic musste am 7.Mai gehen, als RS die Tabellenführung an Partizan verloren hatte) und der führte sich gleich gut ein. Nach einer Ecke konnte Verteidiger Ostojic den ersten Schuss von Milijas gerade so mit dem Bein klären. Partizan war in der Schlussphase echt die Souveränität abhanden gekommen, die ihr Spiel zwischen der 10. und 80.Minute auszeichnete. Es war jetzt ein Spiel auf ein Tor und in der vierten Minute der Nachspielzeit bekam Roter Stern nochmal einen Freistoß von der Strafraumgrenze zugesprochen. Milijas trat an und zirkelte den Ball über die Mauer, doch Stevanovic konnte den Ball im Sprung wegfausten und wenige Sekunden später wurde das Spiel abgepfiffen.

Die Kurve feiert den Triumph

In der Partizan-Kurve brannte es nun lichterloh und abgekämpfte Partisanen jubelten mit ihren Anhängern. Das Double war vollbracht. Partizan war jetzt 38 Spiele am Stück ungeschlagen, hatte drei Derbys in Folge gewonnen und durfte wie schon am Vorwochenende eine Trophäe in den Abendhimmel recken. Dazu wurden die Konfettikanonen in Stellung gebracht, eilig eine Bühne aufgestellt und hunderte Polizisten sorgten ringsrum auf der Tartanbahn dafür, dass weder wütende Jungs von Delije, noch feierwütige Grobari den Platz stürmen konnten. Wir sind hier ja nicht in Hamburg oder Sandhausen.

Partizan ist Pokalsieger

Da weder ein Taxi, noch die Öffis eine gute Option zur Abreise waren, zog es uns anschließend zu Fuß zurück in die Innenstadt. Um mit den 5km nicht die Kalorienbilanz zu ruinieren, wurden im Restaurant „Kolarac“ in der Knez Michailova sogleich Fleischplatten für rund 7€ bestellt. In so einer Lage fiel die Platte natürlich nicht so üppig aus, aber mit Sopska Salat für ca. 2€ dazu wurde ich dennoch satt und tat endlich mal wieder was für meinen Vitaminhaushalt (abgesehen von den zahlreichen B-Vitaminen im Jelen Pivo). Geschmacklich war das alles ganz ordentlich und beim Essen merkten wir, dass Belgrad auch ein Dorf ist. Wir wurden doch tatsächlich von der gleichen Bettlerin wie am Vorabend im anderen Restaurant angeschnorrt.

Sopska Salat

Hauptgrund warum wir das Restaurant „Kolarac“ ausgewählt hatten, war übrigens die Nähe zu einer kleinen Kneipenstrasse, wo der Abt uns unbedingt in den „Gradska Prica Pub“ entführen wollte. Wir bekamen dort den letzten freien Tisch draußen und stellten schnell fest, dass neben vielen hübschen Frauen auch einige Fans von Partizan zugegen waren. Spätestens als der Live-Musiker sie mit einem Lied so entzückte, dass sie eine Fackel zündeten und lautstark mitsangen, war das klar geworden. Sie öffneten jetzt auch ihre Jacken, wo Partizan-Shirts drunter verborgen waren. Anscheinend trägt man am Derbytag in der Innenstadt nicht offen seine Farben zur Schau.

Feierei in der Innenstadt

Ein Typ mit einem „1389“-Tattoo am Arm feierte auch lautstark das Double und der Abt dachte „Mensch, den kenn‘ ich doch…“. Es folgte eine herzliche Begrüßung und wir wurden aufgeklärt, dass die beiden mal sanft aneinander geraten waren, aber feststellten, doch mehr verbindende als trennende Ansichten zu haben. Unser neuer Buddy Dusan war nämlich nicht so der Freund von Deutschland (zwei Weltkriege, NATO-Bombardierung von Belgrad, Kosovo-Frage…), aber wir vermittelten ihm ein etwas heterogenes Meinungsbild zu Serbien im Westen. Es folgte Runde auf Runde mit ihm und seinen Jungs und einer begeisterte uns mehrfach mit seinen einzigen zwei deutschen Wörtern: „Serbische Banditen“ (untermalt mit dem Geräusch von Mündungsfeuer).

Ein paar Runden im Pub

Dass der Pub schon um 1 Uhr dichtmachte, stellte uns vor die Frage, wo jetzt weiter gefeiert wird. Wir fragten natürlich die letzten noch anwesenden Serben nach einem empfehlenswerten Club und Dusan wiederholte immer wieder „In Serbia you don’t go to a Club. You go to Kafana!“. Aber ob nun Kafana oder Club, auf jeden Fall wussten wir, dass wir mit kurzen Hosen in Serbien überall total underdressed sind. Hier wird sich zum Feiern immer sehr fein herausgeputzt. Dusan meinte aber, macht euch keine Sorgen, ich kenne die Türsteher. Verwunderte uns jetzt nicht besonders nach unseren Eindrücken von ihm und seiner Bande.

Partizan-Streetart

Der Laden, zu dem wir mit Taxis fuhren, hieß „Konoba Akustik“ und war im Keller eines Altbaus untergebracht. Tagsüber ein normales Restaurant und abends tanzen hier alle zu Live-Volksmusik des Balkans auf den Tischen („That’s Kafana“). Dazu standen überall Fleischplatten rum. „Lads, you can take what you want“ war eine Aufforderung der gute Gäste wie wir natürlich sofort Folge leisten. Groundhopper hätten jetzt geweint vor Glück. Die Musikkapelle gab alles, der Saal kochte und eine Runde Rakija jagte die nächste. Die ganzen Serben und Serbinnen waren trotz Sprachbarriere (betrunken sprechen sie Fremdsprachen natürlich tendenziell noch schlechter) sehr nett und kommunikativ. Aber man soll ja gehen, wenn es am schönsten ist und so schloss ich mich gegen 3 Uhr Max an, der als morgiger Fahrer eh den ganzen Abend alkoholfrei geblieben war und eben auch mehr Schlaf als der Rest brauchte.

Kafana Party

Am nächsten Morgen hätten wir beide dennoch verpennt, da wir den Wecker nicht gehört haben. Zum Glück waren die anderen trotz Feierei bis 5 Uhr morgens erstaunlich munter und El Glatto sorgte dafür, dass keiner verschlief. Wirklich was verpasst, außer das Pljeskavica-Frühstück beim 24-Stunden-Grill, haben wir wohl nicht mehr. Nun hieß schnell packen und Gas geben. Die serbisch-ungarische Grenze erschien uns unberechenbar. Durch Novi Beograd (schöner sozialistischer Brutalismus, aber auch viel grün) heizten wir zur Autobahn und reihten uns nach zwei Stunden Fahrzeit an der gut bewachten Grenze ein. Bei der „EU only“-Schlange ging es wenigstens halbwegs voran und nach 45 Minuten waren die Pässe vom serbischen Grenzer gestempelt. Dann standen wir nochmal 25 Minuten vor der ungarischen Kontrolle und wurden dort tatsächlich rausgewunken. Etwas hatte dem Zollbeamten beim Alibi-Blick in den Kofferraum nicht gefallen und es waren nicht die serbischen T-Shirts.

Genex Tower in Novi Beograd

Nach einer genaueren Inspektion des Fahrzeugs, der Papiere und der Taschen sagte er „I have bad news for you“. Wir dachten, es gäbe Probleme mit dem Mietwagen (war nicht für Serbien zugelassen o.ä. oder der Fahrer ist zu jung), aber er griff zu den offen im Kofferraum liegenden drei Stangen Zigaretten vom Abt. Wir wurden aufgeklärt, dass pro Person nicht eine Stange, sondern nur zwei Schachteln eingeführt werden dürfen. Da wir fünf Leute waren, durften wir eine Stange behalten und der Abt musste mit seinen Papieren und den zwei anderen Stangen zur Dienststelle mitkommen. Dort war bereits ein anderer deutscher Zigarettenschmuggler, der ihm sagte, er warte schon seit einer Stunde auf seine Papiere. Draußen am Auto waren wir anderen natürlich auch völlig ahnnungslos ob der Dauer des Vorgangs und nervös schauten wir auf das dahinschmelzende Zeitfenster bis zum Abflug. Hätte das wirklich über eine Stunde gedauert, hätten wir gleich bis nach Hause durchfahren können (oder für Montag freinehmen müssen), aber wir haben ja immer und überall Glück und der Zöllner war ein Kumpeltyp. Der sagte zum Abt, ich hab eigentlich keinen Bock auf den Papierkram, wirf deine zwei Stangen einfach in diesen Mülleimer (der bestimmt die Kippen anschließend der Vernichtung zuführt) und fahr mit deinen Jungs weiter.

Urlaubssouvenir

Also nach 20 weiteren Minuten Verlust endlich freie Fahrt für freie EU-Bürger! In Unkenntnis von ungarischen Tempolimits holten wir wieder etwas Zeit rein und gaben ’ne gute Stunde vor Abflug den Mietwagen ab. Kaum am Gate, begann auch schon das Boarding und pünktlich um 13:55 hob der A320 vom Wellblech-Terminal des Franz-Liszt-Flughafens Richtung Langenhagen ab. Dort sammelte uns Bergers Freundin ein (Hvala Nicole!!!) und gegen 17 Uhr konnte ich schon bei Eiscreme daheim über diese beeindruckende Reise sinnieren. Der Kurztrip, klar vom Fußballspiel dominiert, hatte einen ersten Eindruck von Belgrad vermittelt und richtig Bock auf mehr gemacht. Zum Glück komme ich bald wieder. Ich kann es jedenfalls kaum erwarten.

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