Świnoujście und Schwerin 06/2017

03.06.2017
Flota Swinoujscie – Odrzanka Radziszewo 11:0
Klasa okregowa (VI)
Stadion OSiR Wyspiarz Swinoujscie (Att: 320)

Pfingsten hätte ich mich ja auch mal mit einem Wochenende zuhause anfreunden können. Doch meine alten Freunde Bega und Kurt hatten da andere Pläne mit mir. Man könnte zum Beispiel nach Prag, da würde noch gekickt werden. Oder nach Swinoujscie auf den polnischen Teil der Insel Usedom zu einem Heimspiel von MKS Flota. Dahin könnte man sogar mit dem preiswerten Wochenendticket der DB und anderen Angebotsteilnehmern hinfahren. Gesagt, getan.Um 5:55 Uhr transportierte uns der verkappte Metronom namens Enno nach Wolfsburg. Und von da ging es weiter nach Stendal. Der Aufenthalt in der Altmark reichte für den Besuch des örtlichen NP-Marktes, um hier Frühstück zu holen und Bier für den weiteren Tagesverlauf anzuschaffen. Als wir überlegend in der Bierabteilung standen, bekamen wir ungefragt Beratung eines lokalen Rentners. „Jungs, wenna Bier wollt, nehmt Budweiser. Das is gut. Ich bin selber Biertrinker. Ich kenn mich aus.“ Wir: „Na, wenn sie es sagen…“ Einstiger Werktätiger der Deutschen Demokratischen Republik: „Die haben jetzt auch ’n Dunkles. Das is wie Köstritzer. Nur besser. Müssta unbedingt probiern!“ Nur blöd, dass keine der Budweiser-Sorten verfügbar war. Ich redete meinen Kumpels nun die preiswerte Kiste „Sternburg Export“ aus und wir einigten uns auf leicht in den Rucksäcken zu transportierendes Dosenbier aus dem Hause Lübzer.

Bahnhof Stendal. All Bastards are…?

Über Rathenow ging es anschließend weiter zum Berliner Hauptbahnhof und dort in den Regionalexpress nach Stalsund. Das war nun auch der erste volle Zug des Tages und wir bekamen Gesellschaft von Christine, einer jungen Sekretärin aus Berlin-Lichtenberg. Mit der laberten wir soviel Unsinn, dass sie uns auch nach dem Umstieg in Züssow in der Usedomer Bäderbahn treu blieb. In Ahlbeck schied sie dann schweren Herzens von uns, während wir wenige Minuten später polnischen Boden betraten. Als ich 2002 zuletzt hier war (legendäres 96-Trainingslager!), musste man die Zugreise am Ahlbecker Grenzbahnhof beenden und zu Fuß über die Grenze. Doch 2004 trat Polen der EU und 2007 dem Schengen-Abkommen bei, so dass die UBB bis ins Stadtzentrum von Swinoujscie erweitert wurde.

In der Stadt, die auf deutsch Swinemünde heißt und bis 1945 noch nicht zu Polen gehörte, marschierten wir vorbei an einigen Plattenbauten in eine nette Reihenhaussiedlung, wo sich das „Big Boss Appartement“ befand. Hier wartete Vermieterin Johanna bereits auf uns und 72€ waren für eine Nacht zu investieren. Da Begas Freundin ihre kurzfristig abgesagte Reiseteilnahme teuer bezahlen musste, wurde die Summe durch 4 geteilt (somit 18€ pro Person). Dafür gab es eine sehr gepflegte voll ausgestattete 2-Zimmer-Wohnung, ideal für Pärchen, kleine Familien oder zwei bis vier gute Freunde. Würde ich jeder Zeit erneut buchen.

Für das Wichtigste wurde gesorgt

Der Supermarkt nebenan gab ebenfalls Pluspunkte und dort wurde zur Sicherheit erstmal Bier gekauft und eine handvoll Zloty am Automaten gezogen. Kaum war das polnische Dosenbier im Kühlschrank verwahrt, zogen wir los zum Stadion von Flota Swinoujscie. Ich hatte mir das 2002 auch schon ohne Spiel angeschaut und fand damals ein schön abgerocktes Oval vor. Ein zwischenzeitlicher Höhenflug bis in Polens zweithöchste Spielklasse (sogar mit Kratzen am Tor der Ekstraklasa anno 2011) sorgte allerdings für zwei modernisierte Tribünen mit Sitzschalen. 2015 endete diese Ära im Bankrott und Flota gründete sich am 20.Juli des selben Jahres neu und nahm in der siebtklassigen Klasa A (quasi polnische Kreisliga) den Spielbetrieb wieder auf. Mit einer konkurrenzlos guten Mannschaft gelang der sofortige Aufstieg in die 6.Liga und diese führt man kurz vor Saisonende auch deutlich an.

MKS Flota vs. Odrzanka Radziszewo

Leider mussten wir wie eine Groundhopperin und ein Groundhopper aus Berlin 10 Minuten vor Anpfiff feststellen, dass Flota nicht im Stadion, sondern auf Kunstrasen nebenan spielt. Immerhin verfügte auch dieser Platz über einen kleinen beidseitigen Ausbau und Eintritt wurde nicht erhoben. 320 Zuschauer meint Flota gezählt zu haben. Ich hätte jetzt eher die Hälfte geschätzt, aber vielleicht haben sie das Publikum des Tennisturniers auf dem weitläufigen Sportareal mitgezählt oder wenn man vom Fiskus nichts zu befürchten hat, schraubt man einfach das Interesse am eigenen Verein etwas hoch?

Stadion OSiR Wyspiarz

Klarer als die Anzahl der Zuschauer war der Spielverlauf. Der Tabellenführer mit durchschnittlicher Punkteausbeute von 2,75 pro Spiel dominierte den knapp über der Abstiegszone befindlichen Gast nach belieben. In der 1.Minute feuerte der 10er Damian Staniszewski seinen ersten Volleyschuss auf das Gästetor und in der 3.Minute hatte der 8er Mateusz Batkowski den Odrzanka-Torwart zur zweiten Glanzparade genötigt. Mit Großchancen im Zwei-Minuten-Takt ging es weiter und in der 9.Minute machte Staniszewski mit dem Kopf das überfällige 1:0. In der 13.Minute tanzte Batkowski den Torwart aus und erzielte das 2:0 und schon nach 15 Minuten köpfte abermals Staniszewski das 3:0. Bereits in der 17.Minute schoss der 42jährige Grzegorz Skwara aus 20 Metern mit einem Gewaltschuss das 4:0 (hat übrigens 2000 in Diensten von Ruch Chorzow im UEFA-Cup gegen Inter in San Siro ein Tor geschossen). Danach legten die Hausherren eine kleine Pause ein, ehe Staniszewski sich in der 35.Minute seinen lupenreinen Hattrick sicherte und Dariusz Kozlowski in der 37.Minute den 6:0 Halbzeitstand herstellte.

Wurst der Begierde

Die Unterbrechung nutzten wir für den Erwerb einer leckeren Kielbasa. Beim benachbarten Tennisturnier pinselte der Grillmeister die Würste mit Fett ein und ließ sie aufgespießt über der Grillkohle rotieren. Den Würsten beim Brutzeln zuzuschauen war echt ’ne Wonne und natürlich verringerten wir den Bestand um drei Stück à 2€. Dazu Biere aus der Szczeciner Brauerei Bosman und wir waren bereit für Hälfte 2. Doch zuvor wurde noch schnell der Gegner gegoogelt. Odrzanka kommt aus Radziszewo (Retzowsfelde). Der Ort hat ca. 670 Einwohner und liegt im Umland der westpommerschen Hauptstadt Szczecin (Stettin). Rund 120 Straßenkilometer hatte das Team für das heutige Auswärtsspiel beim Tabellenführer zu fahren, um sich hier ’ne ordentlich Reibe abzuholen.

Kielbasa & Piwo

Allerdings schienen sie sich in der Pause vorgenommen zu haben, die Nummer nicht zweistellig werden zu lassen. Bis zur 57.Minute hielt die 10-Mann-Abwehr vorerst dicht, doch dann konnte der überragende Staniszewski seinen Mitspieler Michal Nowak gekonnt in Szene setzen. Routinier Skwara machte in der 69. und 79.Minute die Tore acht und neun für Flota und das zehnte war Mariusz Helt nach wieder einmal Vorarbeit von Staniszewski vorbehalten (85.Minute). „Man of the Match“ Damian Staniszewski ist übrigens auch schon 37 Jahre alt und war bis 2010 ebenso wie Skwara bereits in der 2.Liga für Flota aktiv. Ihm war es in der Nachspielzeit vergönnt mit dem 11:0 den Schlusspunkt dieses einseitigen Spiels zu setzen. Der Flota-Express rollt weiter ungebremst auf die 5.Liga zu und ich werde wiederkommen, um auch endlich das Hauptstadion abhaken zu können und weil Usedom einfach bereisenswert ist für einen Wochenendtrip.

320 Zuschauer halte ich für ein Gerücht

Nach dem Spiel marschierten wir zum sehr schönen Ostseestrand der Stadt, wo es an den Jugendstilvillen aus der Kaiserzeit vorbeiging. Swinoujscie steht den immer noch deutschen Nachbarorten Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck da wenig nach und auch im kommunistischen Polen war das einstige Swinemünde ein beliebter Bade- und Kurort. Leider war heute kein Badewetter, aber für ein verhältnismäßig teures Bier auf der Terrasse der „Chilli Beach Bar“ war es ausreichend gut (2,50€ der Halbe). Gegen 20 Uhr hatten wir genug vom Beachen ohne Baden und gingen wieder in die Stadt zurück. Eine Bar in Stadionnähe zeigte das Finale der Champions League und servierte gezapfte Biere (0,5l Warka) für umgerechnet 1,20€ bzw. später für 1,50€, als unsere Zloty aufgebraucht waren und Euro den Besitzer wechselten. Da ist das Finale in meiner zweiten Heimat Cardiff und ich sitze in Polen rum. Doch wer glaubt, das ärgerte mich, der irrt natürlich. Das Premiumprodukt der UEFA-Mafia reizt irgendwie null und auf das geliebte und eigentlich beschauliche Cardiff im Ausnahmezustand habe ich natürlich auch keinen Bock gehabt.

Piwo am Ostseestrand

Nachdem Gareth Bale den Pokal in seiner Heimatstadt zum Hallendach des Rugbystadions recken durfte, zogen wir unter Usedoms Nachthimmel zurück zum Appartement. Es gab nochmal gute Musik, Textanalysen von Springsteems „The River“ und ein paar Biere verließen den Kühlschrank auch noch. Dann war gegen Mitternacht Schlafenszeit, da wir Johanna bereits auf 8 Uhr zur Übergabe bestellt hatten. Das anvisierte Spiel in Schwerin erforderte einen frühen Aufbruch und weil uns Johannas Mann freundlicherweise zum Bahnhof fahren wollte, bekamen wir sogar einen Zug früher als angepeilt.

Der feine Sand der Insel Usedom

In der Bahn quetschte ich Kurt dann mal über seinen Japan-Trip vor kurzem aus und Geschichten über Spielhöllen, Ramen-Restaurants und Hightech-Toiletten sorgten für Kurzweil. Und mit dem Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen ist er natürlich auch gefahren. Wir überlegten wie der Shinkansen wohl über die Insel Usedom fegen würde. Aber stattdessen tingelten wir mit der UBB sehr gemütlich Richtung Festland. Für weitere Unterhaltung sorgte nun unser Sitznachbar. Es war ein alter Mann aus Berlin, der nach der Wende das enteignete Kurhotel seines Vaters zurück bekam und nun wieder wie in Kindertagen Usedom als seine Badewanne nutzen kann. Immer interessant wenn Zeitzeugen über Krieg und deutsche Teilung erzählen.

Früher als geplant fliesst wieder Alkohol

Für Abwechslung von den ernsten Themen sorgte dann ein in Wolgast einsteigender Junggesellinnenabschied. Vivienne heiratet und daher haben sie und ihre pink gesträhnten Freundinnen uns zum Schnapskauf genötigt. Außerdem sollten wir mit Leckmuscheln unsere Zungen für irgendwas nicht näher genanntes trainieren und ich hatte das Gefühl, wir hatten es mit Meisterinnen von anzüglichen Anspielungen zu tun. Am UBB-Endpunkt in Stralsund hätte über 60 Minuten gemeinsamer Aufenthalt mit den Girls geblüht, aber ich entfloh Vorpommerns sektgeschwängerten Pomeranzen lieber in die Innenstadt.

Kütertor Stralsund

Die Angst vor einem Liebesabenteuer mit unkalkulierbarem Ausgang trieb mich auf einen circa 5km langen Altstadtspaziergang, während Kurt und Bega lieber am Bahnhof frühstücken wollten, da das Wetter eh scheisse war und sie Hunger hatten. Doch ich war vorher noch nie in Stralsund und wie immer und überall neugierig. Schnell war ich schwer begeistert von der Stadt vor den Toren der Insel Rügen. Die Altstadt ist von viel Wasser umgeben und dazu existieren über 1.000 historische Gebäude, wovon die Mehrheit seit 1990 aufwendig saniert wurde. Dementsprechend ist Stralsund zusammen mit Wismar 2002 ins Unesco-Welterbe aufgenommen worden.

Nordseite Alter Markt

Es existieren noch sehenswerte Reste der Stadtbefestigung wie das Kütertor und das Kniepertor. Dazu gibt es diverse Klöster und natürlich auch bedeutende Kirchen. Jeder, der mich kennt, weiß wie mir auf Entdeckertour in so einer Stadt das Herz aufgeht. Nur einen Wehrmutstropfen gab es; das historische Rathaus, eines der herausragendsten Profanbauwerke der Backsteingotik, war eingerüstet. Dafür war wenigstens die größte Kirche der Stadt, die mit dem Rathaus ein tolles Ensemble bildet, in voller Pracht zu bewundern. St. Nikolai ist ein Backsteinbau aus dem 13.Jahrhundert, dessen höchster Turm über 100 Meter in den Himmel ragt. Die Pforte des Westportals ist üppig verziert und gerne hätte ich die Zeit gehabt das Innere mit seinem geschnitzten Hochaltar und der astronomischen Uhr aus dem 14.Jahrhundert zu inspizieren. Und auch für den Hafen fehlte die liebe Zeit.

St. Nikolai

Bega und Kurt hatten derweil bereits mehrfach angerufen und meine Rückkehr gefordert. Offenbar war ihnen nach dem Frühstück doch langweilig und als liierte Männer hatten sie natürlich kein Interesse mit dem immer betrunkener werdenden Junggesellinnenabschied zu verkehren. Nichtsdestotrotz kostete ich Stralsund so weit wie möglich aus und kam erst eine Minute vor Abfahrt zum Bahnhof. Dann ging es mit einem Umstieg in Rostock weiter nach Schwerin. Das polnische Dosenbier machte dabei kreativ und wir dichteten einen Kurvensong zu „Laura non c,è“ von Nek. Ich bin sicher, er wird demnächst beim Vorsänger eingereicht. Außerdem wurde die berühmte 80er-Reportage über die Mighty Blues und die Borussenfront umgewidmet. Wir ließen Islamisten an Stelle der Hooligans treten. Ausschnitte: „Mein Name ist Omar und ich bin von Beruf Terrorist, weil ich asozial bin.“ „Wir sind im Ramadan gegründet worden, weil da sowieso nichts los war. Da war der Hund begraben. Da haben wir den Club gegründet, Terrorclub ohne Ende.“ „Warum wir die Christen hassen? Weil se eben Dreck sind, weil se Schweinefleisch essen. Das ist ein Heiliger Krieg. Der geht seit äh äh, der Islam ist 613 gegründet worden. Seitdem geht das ohne Ende!“ „Dies ist unser Emblem, das Siegel des Propheten mit Säbeln. Das soll auch so’n bisschen an den IS erinnern…“ usw. usf. (Satire nennt man das)

04.06.2017
SG Dynamo Schwerin – TSG Gadebusch 4:0
Landesliga West Mecklenburg-Vorpommern (VII)
Stadion Paulshöhe (Att: 194)

Das Zwischenziel Schwerin erreichten wir mit etwas Verspätung, so dass wir lieber ein Taxi zum Stadion nahmen. Das setzte uns 10 Minuten vor Spielbeginn an der Paulshöhe ab und vier Groundhopper aus Hannover konnten im Inneren per Handschlag begrüßt werden. Da heute möglicherweise das vorletzte Fußballspiel auf der Paulshöhe stattfand, waren unter den 194 zahlenden Zuschauern (3€ Eintritt) schon ein paar so genannte Hopper. Schwerins älteste Sportanlage (eröffnet 1900) soll im Villenviertel Paulshöhe weiterer Villenbebauung weichen und der Hauptnutzer hat als Siebtligist natürlich nicht so die Argumente das historische Areal als Spielstätte zu erhalten. Versucht wird seit 2014 durch eine Initiative Teile des Stadions unter Denkmalschutz zu stellen. Aber nötige Mehrheiten dafür konnten in der Schweriner Lokalpolitik noch nicht erzielt werden. In zwei Wochen ist der letzte Spieltag der Saison und eine Demo soll an diesem Tag nochmal Anstoß geben das Stadion zu retten. Ich wünsche der SG Dynamo Schwerin und ihren Freunden schon jetzt maximalen Erfolg.

Willkommen auf der Paulshöhe

Ihre Spielstätte hat zweifellos großen Charme mit den vier Tribünen, vielen Graffitis, zahlreichen Devotionalien im alten DDR-Funktionsgebäude und so kleinen Kuriositäten wie zwei gegenüber liegenden Auswechselbänken. Man glaubt natürlich unweigerlich in Dresden gelandet zu sein, weil Farben und Logo der ebenfalls 1953 gegründeten SG Dynamo Schwerin der SGD aus Dresden zum Verwechseln ähnlich sehen. Gleichwohl konnte der Schweriner DDR-Polizeisportverein nicht an die großen Erfolge des Dresdner oder auch des Berliner Namensvetters anknüpfen.

Ein tolles historisches Fußballstadion

Die Schweriner schafften es nie in die DDR-Oberliga, spielten aber immerhin 30 Jahre in der 2.Liga und feierten 1990 mit dem Einzug in das Pokalfinale der gerade zerfallenden DDR ihren größten Erfolg. Dort unterlagen sie ausgerechnet Dynamo Dresden mit 1:2, durften aber in der Folgesaison Europapokal spielen, weil die Dresdner auch Meister wurden. In der 1.Runde des Pokalsieger-Wettbewerbs schlug sich der mittlerweile als Polizei SV Schwerin antretende Verein achtbar. Ein 0:2 im Ausweichstadion Ostseestadion Rostock und ein 0:0 in Wien bedeuteten jedoch das Ausscheiden gegen Austria Wien.

Paulshöhe Graffiti

Die 2003 wiedergegründete SGD ist aktuell Tabellenfünfter in der 7.Liga und empfing den Abstiegskandidaten TSG Gadebusch. Dabei taten sie sich erstmal schwerer als gedacht und die einzige Großchance des ersten Durchgangs hatten die Gäste. Doch Kulla scheiterte alleine vor Dynamo-Torwart Leistikow an eben jenem Schlussmann. Und auch in der 2.Hälfte waren die Gadebuscher zu Beginn gefährlicher. Dynamos Toptorjäger Clemens Lange konnte dann jedoch einen direkten Freistoß von der Strafraumgrenze im Gästetor unterbringen (68.Minute). Die etwas schmeichelhafte Führung gab der SGD Sicherheit und ein superschönes Volleytor von erneut Clemens Lange sorgte in der 80.Minute für das vorentscheidende 2:0. Dynamo-Lieder schallten nun lauter als zuvor aus dem Fanblock hinter dem Tor und Kopfballtore vom kleinsten Spieler namens Daniel Scheel (84.) und von Kapitän Grube (88.) sorgten für einen am Ende verdienten, aber etwas zu hohen Sieg der Dynamo-Elf. Ich habe nun in zwei Spielen 15 Tore gesehen, aber nicht ein Gästetor.

Der Freistoß zum 1:0

Nach Spielschluss war diesmal genug Zeit für einen Spaziergang zum Bahnhof. Schönerweise führte der kürzeste Weg von der Paulshöhe über die Schlossinsel durch die Altstadt zum Hauptbahnhof von Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt. Auf der Schlossinsel gab es bereits im Mittelalter eine slawische Burg und seit dem 20.Jahrhundert steht hier ein echtes Märchenschloss (nun als Landtagsgebäude genutzt). Da wird sich die Schwesig wie eine Prinzessin fühlen. Und neben dem „Neuschwanstein des Nordens“ muss ich nochmal den Schweriner Dom hervorheben. Das einzige noch erhaltenen mittelalterliche Gebäude in Schwerin und ebenso die einzige echte Kathedrale in Mecklenburg-Vorpommern. Wie die wenige Stunden zuvor bewunderte Nikolaikirche in Stralsund, ist dieser Sakralbau ein ganz bedeutender Vertreter der Backsteingotik und thront weithin sichtbar über der Schweriner Altstadt.

Manuela Schwesig ihr Schloss

Das Nachwende-Schwerin ist über die Jahre schon ’ne Perle geworden, die unbedingt einen Besuch wert ist. Ich war hier bereits 1998 auf Klassenfahrt und es hatte sich in den vergangenen 19 Jahren echt einiges verändert. Kaum noch ein unsaniertes Haus war heuer im Stadtkern auszumachen. Und die Natur um Schwerin herum ist damals wie heute top.

Gegen 18 Uhr waren wir schließlich zurück am Hauptbahnhof und es begann die hightlightarme Rückfahrt. Aber was will man auch erwarten von einer Fahrt über Rathenow, Stendal und Wolfsburg? Die vier Stunden Reisezeit ließen sich dem Himmel sei Dank mit den restlichen polnischen Bieren und ständig wechselnden Gesprächspartnern irgendwie auch noch rumkriegen. War dann wie mit Kumpels in der Kneipe sitzen, nur auf Schienen und ohne Spielautomaten.

Schweriner Dom

05.06.2017
VfB Bodenburg – SV Newroz Hildesheim 3:6
Kreispokal Hildesheim (Finale)
Erich-Schneider-Stadion Nordstemmen (Att: 800)

Am Montag ging es nach dem Ausschlafen erstmal ins Büro. Aber natürlich nur um im Urlaub einen Urlaubsantrag für das 96-Testspiel beim Burnley F.C. im SAP-Programm zu platzieren. Nach getaner Arbeit traf ich mich mit dem Holzmichel, Fat Lo und weiteren Amateurfußballfreunden, um das Hildesheimer Kreispokalfinale in Nordstemmen anzusteuern. Eigentlich wollte ich mich Hannovers Groundhopper-Elite anschließen, die TuSpo Weser Gimte in Hannoversch Münden beehrte. Doch dafür fanden sich keine Mitstreiter aus meinem Umfeld und alleine war mir das teuer mit der DB (hätte mehr gekostet als die Flüge zum Burnley-Spiel).

Sogar schöne Eintrittskarten gab es

Nun also Kreispokalfinale. Da Bodenburg mich im Halbfinale so entzückte, waren die Sympathien natürlich klar verteilt. Und außerdem hat der finanziell anscheinend gut aufgestellte SV Newroz ja bereits mit der Kreismeisterschaft und dem damit verbundenen Aufstieg in die Bezirksliga genug erreicht diese Saison. Da darf ruhig ein anderes Team den Heinz-Richter-Pokal in Richtung Schloss Marienburg recken, dachte ich mir. Dass die Bodenburger jedoch an diesem Wochenende auch ihre Saisonabschlussfahrt nach Düsseldorf hatten, machte meine letzten Hoffnungen zunichte. Da half auch nicht mehr, dass bei Newroz die zwei ehemaligen Regionalliga-Fußballer Agron Luma und Philipp Schlichting gesperrt waren. Ich glaube es wurde trotzdem ein Kader aufgeboten, bei dem jeder mindestens mal Bezirksliga gespielt hat und es vor allem immer noch könnte.

VfB Bodenburg – SV Newroz

So stand beispielsweise der Hüne David Primke im Tor (früher u.a. VfV Hildesheim und 1.FC Wunstorf), Deniz Tayar (auch ober- und regionalligaerprobt bei u.a. VfV und dem TSV Havelse) war Abwehrchef und Ex-Profi Murat Salar zog im Mittelfeld die Fäden. Dazu war der Schlichting-Ersatz Duci Kreshnik (schon beim VfV Hildesheim und dem SV Bavenstedt aktiv) heute in absoluter Topform. Kreshnik besorgte in der 15.Minute das 1:0 aus Newroz-Sicht und sein Vorarbeiter Salar erzielte in der 19.Minute das 2:0. Als ich dachte, jetzt torkelt Bodenburg einem Debakel entgegen, markierte Ehlers in der 22.Minute den Anschlusstreffer. Jedoch staubte Kreshnik in der Nachspielzeit der 1.Halbzeit das 3:1 ab. Ein verwandelter Strafstoß in der 48.Minute von VfB-Kapitän Steve Pasenow nährte nochmal Hoffnung auf Spannung, doch Kreshnik machte zwischen Minute 57 und 66 mit seinen Treffern 3, 4 und 5 alles klar. Danach schaltete Newroz einen Gang runter und Schrell konnte mit dem 3:6 noch etwas Ergebniskosmetik betreiben (74.Min). Das klar bessere Team hatte heute im schönen Erich-Schneider-Stadion des VfL Nordstemmen verdient den Heinz-Richter-Pokal gewonnen und somit das Kreis-HI-Double geholt.

Schnitzelplatte im Kleinherr’s

Der kurdische Club mit der multikulterellen Mannschaft hatte dazu vorsichtshalber schon mal die passenden T-Shirts drucken lassen und kostete nun mit den Fans hinter kurdischen Fahnen und Antifa-Ultras-Banner den Erfolg aus. Die ebenfalls zahlreich angereisten und lautstarken VfB-Fans traten dagegen wie unser Mob den Heimweg an. Wir hatten jetzt den dauernd mit dem Kranich geschäftlich nach München fliegenden Milano Pete in Langenhagen abzugeben und ließen danach das Pfingstfest gemütlich im Biergarten des Restaurants „Kleinherr’s“ in Asel ausklingen. Ich kann das Lokal mit gutem Essen zu fairen Preisen gerade jetzt im Sommer als Ausflugslokal sehr empfehlen (zum Beispiel im Rahmen einer Radtour). Sogar einen „Village Beach“ haben sie auf dem weitläufigen Grundstück für die Besucher aufgeschüttet. Wie in Stralsund, Schwerin und Swinoujscie war ich hier bestimmt auch nicht zum letzten Mal.

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